Beata Sievi

 

Beata Sievi – ein Leben für Schönheit und Liebe

Um das Korsett ranken sich zahlreiche Mythen. Gut vier Jahrhunderte lang galt es als ein Mittel der Inszenierung weiblicher Schönheit und Verführung. Beata Sievi ist die exclusivste Korsett-Designerin der Schweiz. Wie sie ihr psychologisches Wissen und ihr Interesse am Eros als Urkraft des Lebens mit ihrem anspruchsvollen Kunsthandwerk verbindet, erfahren Sie anhand ihrer Biographie.

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Die polnischen Wurzeln und der psychologische Hintergrund

In Danzig geboren – einer bekannten polnischen Hafenstadt – lebe ich seit über 25 Jahren in der Schweiz. Mein Interesse für die Bedeutung von Intimität und Eros im Leben war bereits während meines Psychologiestudiums in Warschau sehr ausgeprägt. Mit meinen Wurzeln in der polnischen Kultur, welche die Geschlechtsunterschiede im sozialen Verhalten betont, wurde ich schon früh für die weibliche Schönheit sensibilisiert. Eine bewusste Gestaltung des eigenen Äusseren, insbesondere der eigenen Kleidung, war und ist für mich immer ein kreativer Akt, der auf das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl einen grossen Einfluss hat. Nach meinem Umzug in die Schweiz – wohin mich die Liebe führte – entschloss ich mich 1995, die Umsetzung dieses Themas im kunsthandwerklichen Bereich zu wagen.

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Über das Theater zur Korsetterie – ein altes Handwerk neu interpretiert

Mein Traum, sinnliche Kleider und fantasievolle Kostüme professionell anzufertigen, führte mich zuerst  zum „Theater am Neumarkt“ in Zürich. Dort machte ich eine dreijährige Berufslehre als Damenschneiderin. Die Welt des Theaters inspirierte mich intellektuell und schulte zugleich meine Kreativität sowie mein ästhetisches Empfinden.

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Die Vorliebe für intime Bekleidung bewirkte nach der Lehre eine intensive Auseinandersetzung mit dem traditionellen Handwerk der Dessous-Herstellung. Angesichts der damals fehlenden Möglichkeiten der Weiterbildung im Korsett-Handwerk, eignete ich mir das erforderliche Wissen weitgehend im Selbststudium an. 1999 wagte ich den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete das Atelier „entre nous“ für Korsetts und Dessous in Winterthur, um dort private Kundinnen und Kunden zu empfangen. Während ich in der Formgebung des Korsetts den historischen Vorgaben treu blieb, interessierten mich im Design stets die Individualität der Trägerin und ihre persönliche Geschichte.

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Um die Möglichkeiten der originellen Gestaltung zu erforschen, kreierte ich 2002 das Korsett „Lou“, für welches ich erstmals einen selbstentworfenen Stoff verwendete. In diese – durch meinen Briefaustausch mit einem französischen Intelektuellen inspirierte Kreation – integrierte ich Liebesbriefe und Gedichte von Apollinaire und kostbare, sinnliche St.Galler Spitzen. „Lou“, bekannt geworden durch mehrere Ausstellungen, ermöglichte mir die Zusammenarbeit mit interessierten Kunden und Künstlern. In der Folge entstanden zahlreiche weitere phantasievolle Kreationen. Luxuriöse Materialien und ihre Verarbeitung sind mir immer wichtig geblieben und ermöglichen mir, den Kundinnen eine unwiderstehliche Aura von Eleganz und weiblichem Selbstbewusstsein zu verleihen.

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Korsetts auf Bühne und Laufsteg

In den letzten 15 Jahren meiner Tätigkeit habe ich mehrere kleinere und grössere Mode-Shows inszeniert. Um zu verdeutlichen, welche Bedeutung das Korsett als Mittel der Verführung in den letzten Jahrhunderten spielte, verknüpfte ich die Vorführungen meiner Kreationen mit literarischen Texten. Die Basisausbildung in Theater-Regie half mir dabei, die Modeshows in lebendige szenische Darbietungen zu verwandeln. Die wichtigste Vorführung „Séduction Parisienne“ fand 2006 in der Fondation Beyeler im Zusammenhang mit der Kunstaustellung „Eros“ statt.

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Für die Vorführung von „Paradies im Boudoir“  habe ich 2013 verführerische feine Rokoko-Kreationen geschaffen und Texte über die frivolen Sitten des Libertinismus verfasst, die von Schauspielern vorgetragen wurden. Neben den grossen Inszenierungen wurden aber auch die literarischen Soirées im Atelier „entre nous“ an der Obergasse in Winterthur über mehrere Jahre hinweg von einem treuen Kundenkreis besucht. In diesen kleinen, aber oft aufwendigen Boudoir-Veranstaltungen spiegelte sich meine Leidenschaft für die Verbindung von Geist und Eros.

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In den letzten Jahren traten die öffentlichen Auftritte in den Hintergrund, weil ich den Wunsch verspürte, mich noch intensiver der handwerklichen Tätigkeit zu widmen und meine Schnitt-Technik zu vervollkommnen. Viel Zeit widmete ich auch den fotografischen Werbe-Projekten mit Models und Kunden und gönnte mir gleichzeitig eine Ausbildung zur Visagistin.

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Philosophie des Eros

Die Begegnungen mit den Kunden bieten mir immer wieder Gelegenheit zu einem Dialog über Anziehung, Verführung und Liebe. Von meiner Tätigkeit als Corsetière angeregt, erweitere ich auch mein psychologisches Wissen. Im Hintergrund widme ich mich beständig der Forschung über die Zusammenhänge von Liebe und Sexualität. Durch die intensive Lektüre aktueller Publikationen auf dem Gebiet von Philosophie, Psychologie und Neurobiologie gelangte ich zu einem umfassenden Menschenbild, welches dem Bedürfnis nach Liebe und Bindung höchste Wichtigkeit in unserem Streben nach Glück beimisst. Der Eros bleibt dabei für mich eine der intensivsten Arten zwischenmenschlicher Begegnung. In den letzten Jahren wurden mir auch die weiteren Aspekte der Liebe, wie Empathie und Altruismus, zunehmend wichtig und so habe ich mich zu einer Ausbildung in gewaltfreier Kommunikation entschlossen.

Um meinen geistigen Weg mit interessierten Menschen zu teilen und gleichzeitig eine neue Begegnungs-Plattform zu schaffen, rief ich 2016 meinen „Salon der Philosophie des Eros“ ins Leben, der alle zwei Monate an einem Samstagabend  in meiner Bibliothek stattfindet. Das Echo begeisterter Salon-Gäste bestärkt mich in meinem Vorhaben, intensiv an diesem Projekt weiterzuarbeiten und es auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen.

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Gleichzeitig geniessen meine Kreationen grosse Anerkennung. Die gute Nachfrage und meine Leidenschaft für das Kunsthandwerk tragen dazu bei, dass meine Arbeit als Corsetière weiterhin der Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit ist. Da mir Erhalt und Weitergabe meines Könnens wichtig ist, gebe ich auch regelmässig Kurse hier in der Schweiz und im Ausland.

Meine umfangreiche Bibliothek, in der sowohl die Salon-Abende als auch die Korsett-Besprechungen und Anproben stattfinden, beherbergt eine umfangreiche Büchersammlung. Diese steht den Kundinnen und ihren Begleitern zur Verfügung und bietet Anregung für spannende Gespräche.  Für mich ist sie ein Symbol geistiger Begegnung und der Suche nach Erkenntnis, die ihrem Wesen nach stets ein erotischer Akt bleibt.

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