UNBESIEGBAR ELEGANT

Text: Beata Sievi

Beata Sievi Corset Artist web 2020
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

„Wenn ich gut aussehe, fühle ich mich unbesiegbar“, – diesen Satz wählte Flurina Rothenberger, Journalistin des digitalen Magazins Republik, als Titel eines Artikels über den jungen afrikanischen Modedesigner und Fotografen Andile Buka. Bukas Statement steht für das in der afrikanischen Kultur typische Bedürfnis, durch äussere Erscheinung positiv aufzufallen, und dies ungeachtet der nicht selten prekären Lebensumstände. Die Modeaufnahmen von Andile Buka zeichnen sich durch eine innovative Bildersprache aus, die mit Coolness und Selbstbehauptung Kleider in Szene setzt, die nicht aus neuen, teuren Stoffen, sondern aus gebrauchter und ausrangierter Markenware entstanden sind. Dieses Upcycling-Design, ursprünglich aus dem sog. „thriften“ (thrift = Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit) entstanden, wurde in Afrika in den letzten Jahren zu einem neuen, wichtigen Trend.

Die Models auf Bukas Bildern wirken erstaunlich selbstbewusst, auch wenn ihre Jacken und Hüte aus Fragmenten verschiedener ausgetragener Kleider gemacht sind. Ihr Look ist gepflegt und in der Unkonventionalität leicht herausfordernd. „Sogar wenn ich nichts besitzen würde, wenn ich gepflegt und gut aussehe, fühle ich mich unbesiegbar und bereit, meine Probleme anzugehen,“ sagt der Designer und Fotograf. Ein Satz – eine Haltung. Darin erkannte ich mich spontan wieder. Dass die Bedeutung der äusseren Erscheinung für mich als Bekleidungsgestalterin und Korsettdesignerin während der 20-jährigen Berufskarriere selbstverständlich war, wird niemanden überraschen. An dieser Einstellung halte ich auch bei meinem jetzigen Engagement im sozialen Bereich fest, der seit einem Jahr mein neues Wirkungsfeld ist.

*The Sartists“, Andile Buka

Eleganz oder Nonchalance?

Angestellt als sozialpädagogische und später psychologische Praktikantin – obwohl mit einem anerkannten Diplom, zahlreichen Weiterbildungen und umfangreicher Lebenserfahrung im Gepäck – fand ich mich plötzlich auf der untersten Stufe der institutionellen Hierarchie. Eine besondere Lage für jemanden, der 20 Jahre ein eigens Unternehmen geführt hat. Im vergangenen Jahr kam ich mir oft vor, als würde ich nichts besitzen. Denn Fähigkeiten, die von der sozialen Umgebung nicht wahrgenommen und geschätzt werden, vermögen uns keine Kraft und kein Selbstbewusstsein zu verleihen. In dieser Lage blieb meine äussere Erscheinung manchmal das Einzige, was ich bewusst gestalten konnte, und ein Signal, dass ich mich selbst nicht aufgebe, trotz der Versuche meiner Umgebung, mich klein zu halten.

Anthropolog*innen halten den Drang, die eigene Attraktivität mit Hilfe materieller Güter zu steigern, gar für eines der ersten Zeichen der Zivilisation. Dieser Drang scheint allerdings nicht in allen gesellschaftlichen Feldern gleich ausgeprägt zu sein. Die sozialen Berufe, zumindest in der Schweiz, scheinen mir jedenfalls wenig davon gezeichnet. Hier ist eine nonchalante oder sogar abschätzige Haltung gegenüber Mode und Eleganz vorherrschend. Die inneren Werte im Blick, ist man bemüht zu beweisen, es nicht nötig zu haben, etwas darzustellen. Auf die Spitze trieb es einmal ein Sozialpädagoge, den ich als Referenten in meinen Salon eingeladen habe. Als ich ihn informierte, dass der Dress-Code meiner Abendveranstaltungen smart casual sei und die Gäste den eleganten Auftritt schätzten, antwortete er, dass er so kommen werde, wie er sei, und hoffe damit zu genügen. Und er trat in Turnschuhen, alten Jeanshosen und in einem ausgetragenen Hemd auf. Die Gäste fassten seine Gleichgültigkeit gegenüber der äusseren Erscheinung als ein beinahe aggressives Missachten der Regeln des Hauses auf. „Der Anspruch, um seiner unverstellten Authentizität willen genommen zu werden, wie man ist, hat etwas merkwürdig Narzisstisches“, stellt Modeforscherin und Philosophin Barbara Vinken in ihrem Buch „Angezogen“ fest. Denn damit bezeuge man, es nicht nötig zu haben, sich gegenüber den anderen in Beziehung zu setzen.
Erst, wer grosse Expertise auf einem Gebiet oder erfolgreiche Firmengründungen vorzuweisen hat, kann sich Brüche mit der Konvention leisten. Dann wird das, was bei andern unbeholfen oder peinlich wirken würde, als selbstbewusste Geste der Unabhängigkeit akzeptiert. Wenn z.B. Steve Jobs sich mit Jeans und Rollkragenpullover ostentativ über die Kleidunggebote der Businesswelt hinweggesetzt hat, wurde das gar als ein Zeichen der Kompetenz gedeutet.

Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

In Jeans in die Oper?

Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen – Kleider sind ein Mittel der Kommunikation. „Durch ein angemessenes Äusseres zeigt man, dass man den Anlass und das Gegenüber respektiert, noch bevor das erste Wort gesprochen wurde. Es demonstriert den Willen und die Fähigkeit, sich in eine Gesellschaft einzugliedern“ behauptet die bekannte Imageberaterin, Elisabeth Motsch. Ihrer Ansicht nach trägt die zum Anlass passende Kleidung jenseits jeglicher verbalen Kommunikation dazu bei, eine gemeinsame Ebene mit dem Gegenüber zu schaffen. Hier gilt es, die Verbundenheit mit den anderen an die erste Stelle zu setzen und dafür die eigene momentane Befindlichkeit, z.B. die mangelnde Vorliebe für formelle Kleidung, zu überwinden. Es sei ein verhältnismässig kleiner Aufwand, der eine Übereinkunft und ein gutes Miteinander ermöglicht.
Daher schien es mir sinnvoll, in den sozialen Institutionen, in denen ich als Praktikantin tätig war, Respekt auch mittels gepflegter Erscheinung auszudrücken. Doch schon die Kombination von schwarzen Jeans und gebügeltem weissem Hemd veranlasste meinen Kollegen zur Frage, ob ich am Abend in Ausgang oder gar ins Opernhaus gehen wolle. Für mich aber käme dort ein solch bescheidenes Outfit einer Respektlosigkeit gegenüber den Künstlerinnen gleich. Im Abendkleid allerdings komme ich mir nun zunehmend deplatziert vor. Es hat sich, wie mein Kollege behauptete und ich selbst beobachte, mehr und mehr eingebürgert, in der Oper in Alltagskleidung zu erscheinen. Der gesellschaftliche Konsens betreffend Eleganz ist in der Schweiz offensichtlich am Erodieren.

Dass in der Schweiz die Kleidung so wenig geschätzt wird, erstaunt angesichts längst bekannter Erkenntnisse aus der Verhaltens- und Kognitionsforschung. Zahlreiche Experimente haben gezeigt, dass Kleider mit Status assoziiert sind, und deshalb die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und selbst die Zuverlässigkeit der Menschen, die gut gekleidet sind, höher eingeschätzt werden. Auch die meisten der Menschen, die es abstreiten, dass äussere Attraktivität ihr Urteil beeinflusse, offenbaren in experimentellen Situationen, wie sehr sie das Aussehen anderer mit entsprechenden Charaktereigenschaften verbinden. „Kleide dich nicht für den Job, den du hast, sondern für den, den du haben willst“, empfiehlt daher Verhandlungsexperte Jack Nasher in seinem Bestseller „Überzeugt“. Ist das Zielstatus jedoch noch in weiter Ferne, muss man Fingerspitzengefühl haben – denn ein zu eifriges Nachahmen des Kleidungstils der in Rang höherstehenden könnte auch als Anmassung aufgefasst werden.

Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess
Taillenkorsett Kurs
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess

Korsett Anfertigung Kurse Beata Sievi

Casual oder opulent? Auf der Suche nach neuen Wegen in der Gestaltung

Inspiriert durch den Artikel über Andile Buka und das Ideal der sparsamen Eleganz – das zu meinem Praktikantenstatus und -Budget bestens passte – liess ich mich im April auf ein neues kreatives Projekt ein. Mein Vorsatz war es, mit ausschliesslich bei mir schon vorhandenem Material zu arbeiten. Ich wollte ein alltägliches Accessoire anfertigen, einen Taillengurt aus Stoffresten, der ungezwungen und casual elegant wirkt. In der Form gerade, im Esprit Patchwork. Bereits bei der Stoffauswahl merkte ich, wie mich die alte Gewohnheit zu den edlen Goldtönen von Satin und Stickereien hinzog. Meine Liebe zu Opulenz führte weiter dazu, dass ich die Stoffreste zusätzlich mit einem Goldfaden bestickte und mehrmals auswechselte, bis ich mit der harmonischen Kombination der Stoffmuster ästhetisch zufrieden war. Zum Schluss verwarf ich die Idee eines geraden Gürtels zu Gunsten ausgeprägter Taillenbetonung. Entstanden ist ein Taillenkorsett, das klassischen Eleganz verpflichtet ist, wie ich sie schon immer liebte und die mir das Gefühl der Unbesiegbarkeit verleiht. Allerdings eignet es sich tatsächlich viel eher für einen Opernbesuch als für meinen Arbeitsalltag. Summa summarum – der angestrebte coole Casual-Look ist mir nicht gelungen.

Korsett Winterthur
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

Upcycling Design

So entschloss ich mich, weitere Inspirationen bei jungen Modedesignern zu suchen. Im Rahmen des Fashion Revolution Weeks Zurich, der dieses Jahr nur in Online-Form stattfinden konnte, stiess ich auf ein Angebot von Rafael Kuoto, einem jungen Schweizer Designer afrikanischer Herkunft, der auf Upcycling Design spezialisiert ist. Der sympathische Designer, der seine Kollektionen ausschliesslich aus gebrauchten Kleidern herstellt, bot ein Online-Seminar mit dem Titel „Pimp-up your wardorobe“ an, und ich liess mich von ihm in die Prinzipien und Techniken der Arbeit mit gebrauchten Kleidern und Materialien einweihen.
So entstand ein schwarzes Hemd mit Doppelkragen und blumigen Einsätzen im Stil von Elvis Presley. Mein erstes Outfit, das seinen Chick nicht den teuren Materialien, sondern ausschliesslich meiner Fantasie und der sorgfältigen Arbeit verdankt, und ganz der Philosophie des thrifting gerecht wird: Es kombiniert ein bereits zum Ausrangieren bestimmtes Hemd mit einem blumigen Stoff aus der Restekiste.

Begeistert von den neuen Möglichkeiten buchte ich einen Monat später zum zweiten Mal einen online Upcycling Workshop bei Rafael. Diesmal nahm mir vor, an einem neuen – lässigen – Korsettdesign zu arbeiten. Um mit meinen edlen ästhetischen Gewohnheiten zu brechen, die mich beim kreativen Prozess, insbesondere bei Korsetts, zu Opulenz verleiten, wählte ich, Rafaels Rat folgend, den gebrauchten Denim. Dieser Stoff hat – wie der junge Designer es formulierte – im Gegensatz zum Satin, mit dem ich normalerweise arbeite, «einen demokratischen Charakter». Als Stütze für die Konstruktion diente mir ein Probemodel des Rokokokorsetts, das ich 2011 für eins meiner Models fertigte.

Arbeit an einem Upcycling Korsett während des Workshops
Arbeit an einem Upcycling Korsett während des Workshops mit Rafael Kuoto
Korsett vorbereitung Beata Sievi
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus genrauchten Jeans – Vorbereitung
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus Jeans

Beata Sievi Upcycling Project

Zwischen dem ersten und zweiten Samstag, an dem das Seminar stattfand, hatte ich genügend Zeit, um alte Jeanshosen aufzutrennen, die Stoffstreifen zu schneiden und auszufransen und die viktorianischen Spitzen aus meiner Sammlung passend zu färben. Schnell merkte ich, dass die Streifen im queren Fadenlauf wesentlich sinnlicher und wertvoller wirken, es aber viel mehr Zeit als beim Längsschnitt bedarf, sie vorzubereiten. Mein Sinn für opulente Dekorationen blühte doch wieder auf, wenn auch auf neue Art.

Jeans Upcycling Beata Sievi
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus gebrauchten Jeans – Vorbereitung

Jeans Upcycling Beata Sievi Corset Artist

Rafael war verblüfft und erfreute sich an meiner Schaffenskraft, und gab mir zusätzliche Hinweise, wie ich noch konsequenter mit meinen gestalterischen Gewohnheiten brechen könnte – zum Beispiel durch Verzicht auf die Symmetrie im Farbverlauf. Diese Idee überzeugte mich nicht auf Anhieb, doch ich nahm es mir vor, sie zumindest auszuprobieren. Symmetrisch oder nicht, das Korsett sieht bereits in Anfangsstadium auf keinen Fall nach einem Casual Look aus. Auch dieses Werk ist opulent und wird vermutlich mehr als ein Kunstobjekt als ein Kleidungsstück betrachtet werden können. Was notabene für Upcycling ein möglicher Weg ist. Wie ich in der Zwischenzeit herausfand, gibt es im Bereich der Upcycling Art ausserordentlich opulente, höchst ästhetische textile Kunstwerke und Rauminstallationen. Befreit von dem Zwang, das Korsett als ein tragbares Kleidungstück zu betrachten, werde ich vielleicht doch noch ganz neue Dimension der gestalterischen Opulenz entdecken?

Jeans Korsett Beata Sievi Entwurf
Korsett aus gebrauchtem Denim – Entwurf, Beata Sievi Corset Artist

Und für den Alltag bleibt mir immerhin das Elvis-Presley – Hemd. Nicht so innovativ wie die Kleider von Andile Buka und von Rafael Kuoto, aber sowohl als Outfit als auch als Projekt im kreativen Atelier, wo ich nächstens eine Stelle als Fachmitarbeiterin antrete, bestens geeignet. Vielleicht ermögliche ich jungen Menschen dort, dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit auch zu entdecken, das aus dem kreativen Schaffen und aus dem Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit entsteht?

Beata Sievi Portrait
Beata Sievi, Winterthur Mai 2020, Bild: Joachim Keller

Danksagung

Ich bedanke mich beim Fotografen Joachim Keller für die, in jeder Hinsicht, angenehme und inspirierende Fotosession : http://www.joachimkeller.com.

Mein grosser Dank geht auch an Marianne Ulmi vom Kopfwerken Ag für das einfühlsame und geduldige Lektorat.

Ribbon-Korsett Kurs am 18. März 2020

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Elerina im Robbon-Korsett angefertigt von Beata Sievi, Paris 2013, Bild: Ewald Vorberg

DasRibboncorset auf Deutsch „Zierband-Mieder“genannt, wird aus Stücken des Zierbandes – im Gegensatz zu den Miedern aus Stoff – gemacht und zählt zu den Taillenmieden bzw. Waistcincher. Ribbon-Korsetts wurden in der Zeit von 1900-1910 populär und spiegelten das wachsende Bedürfnis der Frauen nach mehr Bewegungsfreiheit, bei gleichzeitigem Wunsch, die Figur zu betonen. Seit ca. 1880 unternehmen Frauen sportliche Aktivitäten wie Tennis, Schlittschuhfahren, Badminton, Golf und Fahrradfahrern, wozu Ribbon-Korsetts, meistens aus Baumwolltwill oder Leinen, getragen wurden. Auch trifft man ein Zierbandmieder als Sommer-, Schlaf-, oder Négligé-korsett, wobei diese Varianten vorwiegend aus Seidenbändern gefertigt und mit Strapsen versehen sind.

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Kent State University Museum Corset, American, ca. 1900. Made of ribbons, side panels boned with steel.

Ribbonkorsetts wurden gelegentlich von den Frauen selbst angefertigt. An diese Tradition knüpfen meine Kurse “Anfertigung eines Ribbon-Korsetts“ und „Ribbon-Korsett nach Eigenmass” an, für die jedoch bereits gute Nähkenntnisse vorausgesetzt sind.

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Ribbon-Korsett „Belle Époque“, Beata Sievi Corset Artist, 2014

Kursinhalt:

• Individueller Entwurf und Herstellung eines Schnittmusters für das Ribbon-Korsett nach Eigenmass / Herstellung des Schnittmusters in der Standard-Grösse
• Vorbereiten der Schnürung und der Schliesse.
• Arbeit mit Bändern unterschiedlichen Breiten und Farben.
• Zusammensetzen der Korsett-Teile.
• Anbringen der Verzierungen.
• Zuschneiden und Einsetzen der Korsett-Stäbe.
• Anprobe und Korrekturen.
• Fertigstellen (ev. Vervollständigung zu Hause).

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Jede Kursteilnehmerin erhält sorgfältig gestaltete Kursunterlagen mit einer Schnitt-, Nähanleitung und Materialkunde
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Es werden verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten erläutert – Ribbon-Korsett Kurs in Winterthur
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Gestaltungsmöglichkeiten – Ribbon-Korsett Kurs von Beata Sievi in Winterthur
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Anfertigung eines Ribbon-Korsetts – Kurs von Beata Sievi in Winterthur
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Entwurf eines Ribbon-Korsetts – März 2020

Modalitäten:

Privat-Kurs „Ribbon-Korsett nach Eigenmass“ 1 Person: CHF 680 zuzügl. Material ca. CHF 70-100 (1 Abend + 1 Tag)
„Anfertigung eines Ribbon-Korsetts in Standardgrösse“ – 1 Tag – Kurs für 1 Person CHF 560 zuzügl. Material ca. CHF 70-90, Kurs für 2 Personen CHF 450 zuzgl. Material CHF 70-90
Termine können frei vereinbart werden – Mittwoch, Donnerstag oder Samstag . Anmeldung und Fragen unter: atelier@entrenous.ch

Angebot für kurzentschlossene – Kurs „Anfertigung eines Ribbon-Korsetts in Standardgrösse“ am 18. März 2020 Zeit 09:00-18:00 Uhr, in Winterthur – für 2 Personen – es wird eine zweite Teilnehmerin /ein zweiter Teilnehmer gesucht. Preis: CHF 450 zuzgl. Material CHF 50-90, es kann entweder eine schlichte oder eine dekorative Variante angefertigt werden. Wer bereits einen Kurs bei mir besucht hat bekommt für den Kurs vom 18. März 20% Skonto.

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Jonatan und Elerina im Ribbon-Korsett von Beata Sievi, Paris 2013, Bild: Ewald Vorberg

 

 

 

Kimono-Kunst und japanische Literatur

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Bild Liliane Eberle

Meine Faszination mit der japanischen Kultur besteht seit meiner Jungend und wurde durch die Romane des japanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata geweckt, die ich in der Bibliothek meiner Pflegemutter fand. Die geheimnisvollen Titel wie „Schneeland“ , „Tausend Kraniche“ und „Die Stimme des Berges“ oder „Die schlafenden Schönen“ weckten meine Neugierde und ich erlag schnell der Magie altjapanischer Traditionen und Mythen und Kawabatas origineller Sprache. Seine Dialoge verstummen oft nach Andeutungen, Bildfolgen sind gleichsam musikalisch komponiert. Seine Protagonisten sind meistens durch tiefe Emotionen der Liebessehnsucht und Trauer bewegt, doch bleibt ihr inneres Leben verborgenen und drückt sich höchstens symbolisch aus – im Muster des getragenen Kimonos oder in einer Teeschale, die man als Geschenk der geliebten Person überbringt.

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Polnische Übersetzungen japanischer Litaratur

Um meiner langjähriger Faszination mit der japanischen Kultur Rechnung zu tragen, habe ich 2005 für mich ein traditionelles japanisches Kostüm angefertigt, das aus einem festlichen Kimono, einem Unterkimono (nagajuban) und einem Obi besteht. Der Kimono wurde von mir, gemäss der japanischen Tradition, von Hand genäht, wobei die gesamte Kreation mehr als 50 Stunden Arbeit benötigte. Während ich in der Form und beim Wahl der Accessoires der japanischen Tradition verpflichtet blieb – und für meinen Kimono den Furisode Still wählte – war es mir von Anfang an klar, dass ich beim Auswahl des Stoffes eine Liaison mit den Europäischen  Muster-Optik anstrebe. Aus diesem Grund habe ich mich für einen Seidensatin mit Mohnblumen-Muster von Fabric Frontline in Zürich entschieden.

Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
Kimono-Anfertigung, Furisode – Kimonoärmel, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005

Das Ankleiden und Tragen eines Kimonos ist eine Kunst, in der ich mich von einer japanischen Kimonomeisterin unterrichten lies. Auch die meisten japanischen Frauen wären nicht in der Lage, ohne weitere Hilfe einen Kimono korrekt anzuziehen. Die typische Ausstattung für Frauen umfasst normalerweise zwölf oder mehr einzelne Stücke, die jeweils auf eine bestimmte Weise angelegt werden müssen. Es gibt daher noch immer professionelle Kimono-Anlegegehilfen, die man vor allem für besondere Anlässe zur Unterstützung anstellen kann.

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Nagajuban, Kimono-Anziehen, Beata Sievi, Bild: Liliane Eberle 2005
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Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
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Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
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Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
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Kimono von Beata Sievi, festlich gebundener Obi

Während eines Gala Dinners mit den Geishas aus Kyoto im japanischen Restaurant Hasenberg hatte ich eine Gelegenheit, mein Kimono zum ersten mal zu tragen. Ein ganz besonderes Erlebnis war auch die persönliche Begegnung mit den Geishas, die mir erlaubt haben ihnen beim Anziehen ihren festlichen Kimonos zuzuschauen.

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Geishas ziehen die Kimonos an, Bild: Liliane Eberle
Geishas ziehen die Kimonos an, Bild: Liliane Eberle
Geishas ziehen die Kimonos an, Bild: Liliane Eberle
Geishas ziehen die Kimonos an, Bild: Liliane Eberle
Kopfschmuck einer Maiko, Bild: Liliane Eberle
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Maiko beim Anziehen eines Kimonos, Bild: Liliane Eberle
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Maiko, Tanz mit den Fächern, Bild: Liliane Eberle
Geisha, Tanz mit den Fächern, Bild: Liliane Eberle

Der Auftritt der beiden Geishas umfasste Schamisen-Spiel, Fächerspiel und Tanz und war von grosser Anmut gekennzeichnet. Die Geishas haben mich nach der Vorführung auf die Bühne geholt, mein Kimono bewundert und anschliessend wurde ich in das Fächerspiel und einige Tanzbewegungen eingeführt.

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Beata Sievi und eine japanische Maiko, Bild Liliane Eberle
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Begegnung von Beata Sievi mit einer Geisha, Bild: Liliane Eberle
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Beata Sievi in ihrem handgefertigten Kimono: Bild Liliane Eberle

2005 hatte ich zudem eine Gelegenheit ein männliches, japanisch inspiriertes, Kostüm im Auftrag eines Kunden anzufertigen. Das Kostüm bestand aus Hakama-Hose, einem seidenen Haori und einem Herren-Korsett aus Seidensatin. Die Kreation wurde durch die asiatischen Krieger-Gewänder inspiriert. In der Mitte des Korsetts war ein antikes asiatisches Bronze-Amulett mit erotischen Motiven angebracht. Auf die Innenseite des Korsetts habe ich die Reproduktionen von Shungas – den japanischen Holzschnitten aus dem 17 Jh. – gedruckt.

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Herrenkorsett „Voyage a Yoshiwara“ Beata Sievi Corset Artist
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Herrenkorsett „Voyage a Yoshiwara“ Beata Sievi Corset Artist
Herrenkorsett "Voyage a Yoshiwara" Beata Sievi Corset Artist
Herrenkorsett „Voyage a Yoshiwara“ Beata Sievi Corset Artist

« Le chevet lui-même,
Ne sachant rien, se taira :
Ce doux entretien,
Monsieur, tenez-le secret,
Songe d’une nuit de printemps. »

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Damit auch meine literarischen Inspirationen in mein kreatives Schaffen eingebunden werden, habe ich 2006 im Atelier „entre nous“ für meinen Kundenkreis eine Soirée veranstaltet, die neben der Kimono und Schamisen Vorführung auch eine Lesung mit dem Schauspieler Gilles Tschudi aus dem Roman „Die schlafenden Schönen“ umfasste. Es war eine Fantasiereise nach Japan, die allen Beteiligten lange in Erinnerung blieb.

Am 29. Februar 2020 möchte ich das Thema in meinem Salon für Philosophie und Beziehungskultur wieder aufnehmen. Mein Gastsprecher ist Thomas Blubacher.

Samstag, 29. Februar 2020, 17 Uhr – „Die schlafenden Schönen“ – Thomas Blubacher liest aus dem Roman von Yasunari Kawabata, Moderation und Kimonovorführung – Beata Sievi.

Ort: Beata Sievi`s Salon Bibliothek, Winterthur. Eintritt CHF 65 ( inkl. Sushi, Sake). Anmeldung: salon@beatasievi.ch. Anmeldeschluss 15.12.2019 Weitere Informationen über diese Veranstaltungen finden Sie unter diesem Link.

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Über den Sinn für das Schöne und die Exzellenz

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Spitzenbustier angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Corset Artist 2019

Auch wenn ich derzeit keine Spitzenkorsetts anfertige, vermittele ich weiterhin das Wissen über die hochwertige Verarbeitung und perfekte Passform an interessierte Fachpersonen. Vor wenigen Tagen stellte sich eine erfahrene und talentierte  Damenschneiderin aus Deutschland der Herausforderung der Anfertigung eines Spitzenbustiers unter meiner Anleitung. In den drei Tagen, an denen wir zusammen arbeiteten, erzählte sie mir von ihrer grossen Sehnsucht nach den traditionellen Standards der Schönheit und Perfektion in unserem Kunsthandwerk. Obwohl sie sehr erfahren ist und die beste Nähtechnik beherrscht, durfte sie diese – als Angestellte in einem angesehenen Couture Atelier – nicht anwenden. Der finanzielle Druck zwang die Leitung des Ateliers zu Sparmassnahmen und es wurde allen Angestellten eine minderwertige Verarbeitung nahegelegt. Die lebenserfahrene und begeisterungsfähige Couturiere blühte im Verlaufe meines Kurses auf und erfreute sich über die Arbeit mit der kostbaren St.Galler Spitze von Forster Rohner und über jedes handgefertigte Detail.

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Spitzenbustier Anfertigung – Kurs von Beata Sievi Corset Artist 2019
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Spitzenbusier-Anfertigung, Kurs von Beata Sievi Corset Artist 2019
Spitzenkorsett Nähen
Spitzenbustier Musterstück angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi während des Kurses

„Schönheit – sagt der englische Philosoph Roger Scruton in seinem Film „Why Beauty matters?“stellt ein realer und universaler Wert dar, der in unserer rationellen Natur gründet. Der Sinn für Schönheit spielt eine unersetzliche Rolle in der Gestaltung des menschlichen Lebens und unserer Welt.“ In der individuellen Wahrnehmung besitzt das Schöne stets eine überzeugende Kraft, der wir uns nicht entziehen können. „Es spricht zu uns direkt wie die Stimme eines intimen Freundes. Wenn es Menschen gibt, die der Schönheit gegenüber gleichgültig sind, so ist es sicherlich weil ihnen das Wahrnehmungs-Sensorium dafür fehlt.“ Diese Hypothese von Scruton vermag den Schmerz erklären, den eine Person empfinden muss, wenn sie den tief verankerten Standards der Schönheit in ihrer kunsthandwerklichen Arbeit nicht folgen darf.

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Spitzenbustier 2007, Model Barbara

Wenn ich auf die zwanzig Jahre meiner Arbeit als Corsetiére zurückblicke, bin ich dankbar, dass ich mich zu keinen ästhetischen Kompromissen durch Sachzwänge verleiten liess. Es ist für mich auch nicht überraschend, dass bei mir die Liebe zu Schönheit auch in einem Persönlichkeits-Test, dem ich mich im Rahmen der neuen beruflichen Orientierung unterzogen habe, im obersten Rang erschien. Prof. Martin Seligman, der mit seiner Zusammenstellung der 24 Tugenden, die ein glückliches Leben ermöglichen, die Grundlagen zu diesem Test lieferte, betrachtet die Sensibilität für das Schöne und die Exzellenz als eine Stärke, die uns einer höheren Macht näherbringt und Sinn stiftet.  Doch ist es vielen, die meine Arbeit und die ästhetische Kompromisslosigkeit bewundern, nicht bewusst, dass meine Tätigkeit in finanzieller Hinsicht stets ein Balanceakt war, der sehr viel Kraft erforderte. Der Sinn für das Schöne an die erste Stelle zu setzen bedeutet oft, in anderen Bereichen Kompromisse hinzunehmen.

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Spitzenbustier angefertigt von Beata Sievi, Model Barbara 2007

Seit einigen Monaten bin ich im sozialen Bereich tätig und versuche das Handwerk, Kreativität und Ästhetik mit den psychologischen Themen zu verbinden. Meine Eindrücke, die ich in verschiedenen Institutionen gewinnen konnte, sind vielfältig. Sie reichen von den Begegnungen mit wahren Kunstwerken und Objekten, die sowohl den Herstellenden als auch den Betrachtern – selbst mitten in grossen Lebenskrisen – Freude bereiten, bis zum vollkommenen Verzicht auf das Ästhetische zu Gunsten reiner Funktionalität. Im letzteren Fall wird nur ein Ding hergestellt und nicht kreiert. Der Mensch wird zu einem Objekt, das beschäftigt werden muss, ohne die Möglichkeit zu haben, auf die Gestaltung der von ihm gefertigten Produkte Einfluss zu nehmen.

In vielen sozialen Einrichtungen werden insbesondere die mit Weiblichkeit assoziierten textilen Arbeiten nachlässig behandelt, während für die Holz- und Metallarbeiten, die meistens an Männer delegiert werden, stets höhere Qualitätsstandards gelten. In diesem Zusammenhang wurde ich einmal mit der Behauptung konfrontiert, dass das Ansehen der Schönheit und Qualität der textilen Produkte die Teilnehmer*innen unter Druck setzen würde, weshalb man auf die ästhetischen Aspekte in diesen Arbeiten lieber verzichte.

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Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens,1809

Diese Haltung widerspricht den bereits lange bekannten neurobiologischen Erkenntnissen, dass das Schönheitsempfinden mit der Aktivierung des genannten „Belohnungssystem“ zusammenhängt, zu dem sowohl der Nucleus accumbens sowie der entwicklungsgeschichtlich jüngere orbitofrontale Cortex gehört, der generell bei Entscheidungs- und Urteilsprozessen eine wichtige Rolle spielt und somit auch die Motivation beeinflusst. Neulich befasst sich die Neuroästhetik mit den Fragen nach den Zusammenhängen zwischen der Wahrnehmung der Schönheit und den entsprechenden  Hirnaktivitäten. Die neuesten Forschungsergebnisse, die durch Neurobiologen aus dem Max Planck Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Mein vorgelegt wurden zeigen, dass wir beim betrachten von schönen Dingen – so die Ergebnisse der Bildgebenden Studie –  angenehme Zustände erleben, weil dabei auch das so genannte Ruhezustand-Netzwerk im Gehirn aktiv wird. Was genau uns berührt, ob Natur, Kunst, Bauwerk oder Handwerk spielt dabei keine Rolle. Das Team vermutet sogar, dass es einen universellen Code für ästhetisch schönes Erleben geben könnte.

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Handtasche mit St.Galler Stickerei angefertigt in reiner Handarbeit in einer sozialpädagogischen Institution unter der Anleitung von Beata Sievi
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„Couture Frosch-Prinz“ – ein Spielzeug angefertigt aus Jakob Schläpfer Seidenstoff – Projekt-Entwurf.

Auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis ich auch auf diesem Gebiet meine eigene Visionen verwirklichen kann,  bin ich überzeugt, dass sich meine Liebe zum Handwerk und mein soziales Anliegen fruchtbar verbinden lassen. In der Zwischenzeit stehen allen Interessierten die Privatkurse im Korsett-Handwerk und Besuche in meinem Korsett-Kabinett offen und ich freue mich, wenn es mir gelingt, neben neuen beruflichen Verpflichtungen in der Arbeitsagogik, gelegentlich in die Welt der Korsetterie und Schönheit vorbehaltlos einzutauchen.

Spitzen Bustier Seduction parisienne
Spitzenbustier Seduction Parisienne, prét-à-porter, Preis auf Anfrage.

 

 

 

„Last call“ für die Korsett-Ausstellung in Basel

Historisches Korsett aus der Kollektion „Nuit de satin“

Das Korsett diente den Frauen über die gesamte Modegeschichte dazu, ihre Weiblichkeit und ihre Schönheit diskret zu betonen oder glamourös in Szene zu setzen. In meinem Essay „Frau im Korsett – über die Schönheit und Sexappeal im Wandel der Zeit“,  den ich anlässlich der Ausstellung „Korsetts edel und bunt geschnürt“ in Museum Spielzeug-Welten in Basel verfasst habe, erfahren Sie mehr über die Bedeutung des Korsetts in der Modegeschichte und über 20 Jahre meiner kreativen Arbeit.

Die aussergewöhnliche und umfangreiche Ausstellung ist noch bis 6. Oktober 2019 zu sehen.  Ausgestellt sind sowohl  60 Korsetts aus der Zeit von 1775 bis um 1925, darunter einzigartige, massgeschneiderte und exklusive Modelle aus Seidensatin in kräftigen Farben mit wunderschönen Stickereien aus der Sammlung Nuits de Satin aus Paris als auch  45 meinen Kreationen aus den Jahren 1999-2018.

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Korsett „Contessa Rouge“ Beata Sievi Corset Artist 2003
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„Ecole du corset“ – Korsett mit sichtbaren Korsettstäben, angefertigt von Beata Sievi für Unterrichtszwecke

Detaillierte Informationen über die Ausstellung finden Sie unter diesem Link.

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Eine interessante Ausstellungs-Reportage und ein Interview mit mir sind in dem Artikel von Nicole Tabany in der Schweizer Familie erschienen: Die Inszenierung der Weiblichkeit SF. Zudem sind einzelne Kreationen sind im unter dem Button „AUSSTELLUNG IN BASEL“ im Menu auf diesem Homepage detailliert vorgestellt.

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Der Kern meiner Kollektion – 25 hochwertigen, handgefertigten Korsetts aus edelsten Materialien – wird ab Ende Oktober 2019 weiteren kulturellen Institutionen oder privaten Interessenten für Ausstellungszwecke zu Verfügung stehen. Die Liste der Kreationen kann hier eingesehen werden: Beata Sievi Corset Artist COLLECTION

Einige Korsetts werden nach der Ausstellung zum Kauf angeboten. Die Liste der verkäuflichen Kreationen mit der Angaben von Wert und Grösse finden Sie hier: Beata Sievi Corset Artist COLLECTION 1999-2019 – CORSETTS FOR SALE

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„Falcon-corset“ by Beata Sievi Corset Artist 2016

Frau im Korsett – von Schönheit und Sexappeal im Wandel der Zeit

Essay zur Korsett-Ausstellung in Basel, Beata Sievi 2019

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«Frau im Korsett täuscht uns einen perfekten Körper vor“, stellte der Modekritiker Eugene Chapus 1862 fest und fügte hinzu: „Diese Frau ist eine Lüge, doch ziehen wir offenbar die Lüge der Wirklichkeit vor». Frauen ihrerseits waren sich der Wirkung der Halbwahrheit bewusst und brachten seit Ende des 17 Jh. ihre Reize mit mehr oder weniger steifem Mieder konsequent zur Geltung. War diese Praxis ein Tribut an den männlichen Geschmack und somit Unterwerfung oder entsprang sie dem eigenen Bedürfnis nach Selbstinszenierung? Was bedeutete es für Frauen überhaupt, ein Korsett zu tragen? Und was heisst es heute, Korsett-Anfertigung als Beruf zu wählen? Habe ich in meiner 20-jährigen Arbeit als Corsetiére der Selbstermächtigung der Frauen oder eher dem Patriarchat gedient?

Mein erstes Korsett war durch eine romantische Liebe inspiriert. Als beginnende Korsettdesignerin befand ich mich 2001 in einem außerordentlich intensiven Briefaustausch mit einem französischen Intellektuellen, der nicht weniger als ich von Korsetts fasziniert war. Unsere Korrespondenz, die mir verdeutlichte, dass das Korsett eine ideale Projektionsfläche für vielfältige geheime Wünsche sein kann, befruchtete meinen eigenen Wunsch, ein solches Kleidungsstück auch für mich selbst anzufertigen. Das Projekt war stark mit der Sehnsucht nach Anerkennung verbunden. Der Mann behauptete nämlich mehr über Korsetts als Objekt zu wissen, als ich je einmal im Stande sein würde und löste damit mein künstlerisches Aufbegehren aus. Ich bedruckte den Stoff für meine Kreation mit den Gedichten von Apollinaire und dessen Briefe an seine Geliebte Lou, um meinen Korrespondenten von meinem handwerklichen Können und von meiner Zuneigung zu überzeugen. Das Korsett „Lou“, in welches ich 50 Stunden Arbeit investierte, das äusserst originell und kunstvoll gestaltet war, jedoch nicht sehr eng wirkte, beeindruckte jedoch mehr meine Kundinnen als den Adressaten. So eröffnete sich mir eine neue kreative Epoche, die jenseits dieser Liebe fruchtbar war.

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Korsett – ein Folterinstrument?

Das «Korsett als Folterinstrument» ist für mich, im Gegensatz zur populären Auffassung, ein Mythos. Mit meinen Wurzeln in der polnischen Kultur, welche die Geschlechtsunterschiede im sozialen Verhalten stark betont, war ich schon früh für die weibliche Schönheit sensibilisiert. Eine bewusste Gestaltung des eigenen Äusseren, insbesondere der eigenen Kleidung, war für mich immer ein kreativer Akt, der auf das innere Wohlbefinden und auf das Selbstwertgefühl einen grossen Einfluss hatte. Die Kleider, die ich mochte, mussten nicht den Anspruch auf Tragkomfort, sondern den auf Eleganz zu erfüllen. Als ich mit den Studien der Korsettgeschichte begann, überzeugten mich daher die Ausführungen der Modehistorikerin Valerie Steele, dass das Tragen des Korsetts immer ein von Frauen bewusst eingesetztes Mittel der Inszenierung ihrer Schönheit war. In ihrem Buch «Womens fashion and eroticism» vertritt sie die Ansicht, dass ein Mieder immer ein selbstgewähltes Spiel mit den erotischen Reizen des Körpers ermöglichte, und die Trägerin dabei unzugänglich und geschützt blieb. Dies habe den allfälligen Mangel an Tragekomfort bei Weitem ausgeglichen:
«Die Mode war zuweilen unbequem oder unpassend, aber sie hat von möglichen Defiziten der Natur abgelenkt, während sie auf attraktive Merkmale aufmerksam machte und die Trägerin idealerweise hübsch und charmant aussehen und fühlen liess» – meint die Autorin. Das impliziert aber keinesfalls, dass Frauen ein modisches Accessoire wie Korsett mögen, weil es schmerzhaft ist. Der menschliche Geist kann sich offensichtlich auch an dem erfreuen, was für den Körper Schmerz oder zumindest eine Unannehmlichkeit bedeutet.

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Mode als Inszenierung des idealen Ichs

Die Funktion der Mode liegt nach Valerie Steele grundsätzlich darin, einem Menschen das Inszenieren eines idealen Selbsts zu ermöglichen. Das Korsett eignet sich hier perfekt, da es durch die modellierende Funktion dem Körper eine ideale Form verleiht. Ob der Taillenumfang dabei nur minimal oder drastisch reduziert wird, kann individuellem Empfinden angepasst werden. Mehr als alle anderen Kleider ist das Korsett dazu prädestiniert, Ausdruck einer Vision unseres physischen Selbst und unseres Selbstbewusstseins zu sein. Innerhalb der vorherrschenden Modetrends und ihrer materiellen Möglichkeiten haben Frauen daher immer die Kleider gewählt, die ihnen ein besseres Image ermöglichten. «Unsere modische Erscheinung ist eine Form der Selbstpräsentation, ein Kompromiss zwischen dem, was wir sind, und dem was wir sein möchten, zwischen dem privaten Selbst und dem Selbst für die anderen» – stellt Valerie Steele fest – «Mode ist immer ein Widerspruch zu Natürlichkeit, weil sie dem Menschen hilft nicht das reale, sondern das ideale Bild von sich selbst zu kreieren.»

Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, das Korsett als Vehikel des «idealen Selbst» einzusetzen, resultierte in meinem Fall in der neuen Kreation «Contessa rouge». Nicht nur war dieses Korsett in der Taille deutlich enger als alle vorherigen Modelle, sondern es verfügte auch über einen elaboriertes balconett, um den Brüsten eine vollendete Form zu geben. 40 Bänder mussten zwischen zwei Stoffschichten eingezogen werden, um einen sanften und doch sicheren Hebe-Effekt zu erreichen. Den hochwertigen Stoff sandte mir der französische Verehrer, mit dem ich inzwischen 300 Briefe ausgetauscht hatte, als Inspiration zu. Er hatte ihn an der Rue Montmartre in Paris eingekauft, bei einem Stoffhändler, der auch die Haute Couture Häuser belieferte. Füllig und edel schimmernd trug der rote Satin Duchesse aus reiner Seide einen Hauch der grossen Welt in mein Atelier in der Altstadt von Winterthur und täuschte mir und meinen Kundinnen Zugang zur weltlichen Opulenz vor.

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Korsett, Krinoline und weibliche Macht

Die Opulenz faszinierte mich fortan, insbesondere die des Barocks und des Rokokos. Immer wieder stellte ich mir die Frage, warum es stets neue Moden, neue Looks gab, die alle samt durch neue Formen des Korsetts ermöglicht wurden. Valerie Steeles antwortet und bringt es auf den Punkt: « Das Bedürfnis nach Neuem ist konstant und wird immer durch, egal wie geartete Kontraste, befriedigt, es geht um die immerwährende Erneuerung der erotischen Neugierde.» Meine künstlerische Neugierde veranlasste mich, detaillierte Recherchen über die wichtigsten historischen Korsettformen anzustellen, und mit den Jahren führte mein Ehrgeiz so weit, dass ich sie alle nachahmen konnte.
Das aufwendigste Projekt in diesem Zusammenhang war die Kreation «Madame Du Barry», die der Maitresse des Ludwig XV gewidmet war. Über 200 Stunden Arbeit erforderten das Korsett und die dazugehörende Krinoline, ein wahrhafter Exzess, erst recht angesichts der Tatsache, dass es dafür keine Auftraggeberin gab. Zumindest wurde die Robe im Rahmen einer kleinen Inszenierung vorgeführt. «Paradies im Boudoir» war ein Kabinettstück mit fünf Models und mit Harfenklängen für eine Handvoll nobler Kundinnen und Kunden. Während der Aufführung fiel die unglaubliche Anmut der Frau auf, die das enge Korsett und die opulente Krinoline trug, in der für Rokoko typischen ovalen Form. Und wie sie ihren Begleiter, dem es an Schönheit auch nicht fehlte, in den Schatten stellte.

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Kritiker der Krinolinen-Mode betrachteten das Accessoire im 18 Jh. als verwerflich, weil durch den bis zu drei Meter breiten Pannier ein Mann gezwungen wurde, hinter der modisch angezogenen Frau zu gehen. Die männlichen Kommentatoren deuteten den imposanten Umfang der Stahlreifenkrinoline, die nach einem kurzen Rückzug in den Zeiten der Französischen Revolution ein grosses Revival im 19 Jh. feierte, als Sinnbild für Statusdenken und Machtwillen der Frauen. In den Augen dieser Kritiker schien sich das schwache Geschlecht mittels der raumgreifenden Mode bewusst eine bessere Stellung anzumassen und den im Vergleich unscheinbar wirkenden Mann wörtlich beiseite zu drängen.

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In einer berühmten Karikatur von Charles Verniers 1857 wird eine Dame in einer Ballkrinoline dargestellt, die so gross ist, dass sie das Passieren einer normalen Türöffnung unmöglich macht. Zwei mit Spitzhacken bewaffnete Diener müssen einen breiteren Durchgang zum Ballsaal in die Wand schlagen. Korsett und Krinoline, die modischen Accessoires, die ihren Ursprung in der männlichen Vorliebe für eine schlanken Taille und breite Hüften hatten, wandelten sich in eine Strategie, die wortlos darauf abzielte, die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern umzustürzen.

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Optimierte Nacktheit – Korsettphilosophie im Boudoir

Die modischen Interessen der Frauen und ihr Streben nach Schönheit wurden oft als Eitelkeit bezeichnet und moralisch getadelt. Im Victorianischen England erschienen mehrere kritische Schriften, die in der Gesundheit, dem offenen Blick und der distinguierten Bewegung die ausreichenden Kriterien der Attraktivität einer Frau sehen wollten. Es seien die Qualitäten des Charakters wie Höflichkeit, Bescheidenheit und Selbstrespekt, die dem Körper die Aura der Schönheit verliehen – behauptete ein anonymer Autor von „Artificial Woman-Making“ in 1869. Vielleicht versteckte sich hinter diesen Aussagen der meist männlichen Kritiker die Angst vor den verführerischen Reizen der modisch gekleideten Frauen, deren Sexualität als gefährlich galt? Ungeachtet dieser Kontroverse zwischen natürlicher und künstlicher Schönheit ist ab ca.1870 ein gesteigertes Interesse der Frauen an luxuriöser Lingerie zu beobachten. Die Wäsche-Korsetts dieser Zeit werden aus farbigem und gemustertem Seiden-Satin gefertigt, oft von Hand bestickt und mit einem passenden Petticoat ergänzt. Es ist offensichtlich, dass dabei der Moment des Ausziehens mitbedacht wurde.

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In meinem Atelier empfing ich zuweilen Frauen, die – wie ich in den Gesprächen erfuhr – in intimen Situationen raffinierte Unterwäsche der Nacktheit vorzogen. Meine Korsetts mit ihrem ungewöhnlichen Design assoziierten sie aber eher mit Prestige und Gala-Events als mit einer intimen Situation der Verführung. Bis mich eine neue Kundin ausdrücklich darum bat, ein Korsett für sie zu entwerfen, das leicht genug wäre, um im Schlafzimmer getragen zu werden. Ihre Vorliebe für Dessous teilte sie mit ihrem attraktiven, um mehrere Jahre jüngeren Liebhaber. Ihre Geschichte erinnerte mich an die neuste Forschung der amerikanischen Neurologin Martha Meana, die besagt, dass der Ausdruck der Begierde in den Augen eines Mannes für Frauen das stärkste Aphrodisiakum sei. Weshalb also nicht mit der Illusion eines perfekten Körpers spielen, um das Verlangen zu steigern? Ich bestellte für meine Kundin aus England einen feinen Stoff und vom renommierten St. Galler Fabrikanten Forster Rohner zauberhafte Guipuire-Spitze. Es entstand ein Korsett, das eine perfekte Synthese aus Romantik und Frivolität darstellte und auch weitere Kundinnen begeisterte. Hat nicht schon Helene Hessel 1920 behauptet, dass jede Frau mit Hilfe der geschickten Kleidung im Stande sei, der «natürlichen» Polygamie des Mannes entgegenzuwirken? Die Berichte meiner Kundin über ihre lustvollen Erfahrungen und vor allem ihre wiederkehrenden Aufträge hielt ich für den Beweis des Erfolgs dieser Strategie.

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Die Boudoir-Kollektion aus den Jahren 2014-2017 war mein Versuch, das Spiel des Verhüllens und Enthüllens in den Vordergrund zu stellen. Der Name der Kollektion «Boudoir» nimmt Bezug auf die Bezeichnung des intimen Raumes zwischen dem Schlafzimmer und Essraum, in welchem im 18 Jh. Damen der Aristokratie ihre Liebhaber zu Besuch empfingen. Die an meinen neuen Korsetts angebrachten Strapsen, Spitzen, Schnürungen und Bänder dienten dazu, der Trägerin zu helfen, aus einem Akt der Entkleidung eine wahre Inszenierung zu machen und waren darauf ausgerichtet, das Auge des Betrachters und vor allem seine Geduld aufs Äusserste zu reizen. In der Folge durfte ich einige Boudoir-Korsetts als Geschenk begeisterter Herren an ihre geliebten Damen anfertigen.

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Ein zeitgenössischer Philosoph bestärkte meine Auffassung der Erotik: „Das Erotische lebt nicht nur von einer Differenz zwischen den Geschlechtern, die angeblich längst hinfällig geworden ist, es lebt vor allem von einer Gestik des Entblössens, die wusste, dass das Wechselspiel von Enthüllen und Verhüllen nicht nur im faktischen Sinne das erotische Begehren strukturiert, sondern dem Eros auch seine philosophische Dignität gibt». Das schreibt Konrad Liessmann in seinem Essay «Eros, der listige Gott» und er fügt hinzu: «Eros ist in hohem Masse ein Spiel mit dem Verbergen und Entbergen von Wahrheiten, und die zufällig oder gezielt dem Blick preisgegebene Haut, die mehr ahnen als sehen liess, galt lange als das sinnfälligste Moment in der Dynamik erotischer Begegnungen..» Dies wollte ich auch für die heutige Zeit geltend machen. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, machte ich meinen Kundinnen deutlich, dass es sinnvoll sei, klar zu unterscheiden zwischen den Korsetts, die ihre Schönheit zur Geltung bringen und von solchen, die die erotische Attraktivität betonen – und die Letzteren nur im jeweils passenden, d.h. im privaten Kontext einzusetzen. Dort allerdings versprechen sich Frauen von ihren privaten Inszenierungen oft mehr, als diese tatsächlich erbringen, wie es sich auch später im Fall meiner Kundin herausstellte.

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Frau im Korsett: Schön oder sexy? Weibliche Attraktivität im Wandel der Zeit

Die Soziologin Eva Illouz macht in ihrem Buch «Warum Liebe weh tut» darauf aufmerksam, dass sich die heute so wichtige Sexyness deutlich vom Begriff der Schönheit unterscheidet. Bis ins 19. Jh. galten Frauen als attraktiv aufgrund der Schönheit, die nicht nur als eine körperliche, sondern zugleich eine geistige Eigenschaft verstanden wurde: «Die sexuelle Attraktivität als solche stellt ein neues Bewertungskriterium dar, das gleichermassen von der Schönheit wie vom moralischen Charakter abgelöst ist.» Sie ist darauf ausgerichtet, durch bewusst eingesetzte körperliche, sprachliche und kleidungsbezogenen Kodes direktes sexuelles Begehren auszulösen.
Auch Valerie Steele betont, dass Schönheit bis in die viktorianische Epoche immer auch als spirituelle, intellektuelle und ethische Exzellenz begriffen wurde und «perfekter Körper gleichzeitig noble Seele bedeutet». – Korsettmode hat zwar die erotische Attraktivität der Frauen erhöht, gleichzeitig war sie aber in den kulturellen Kontext eingebettet. So z.B. waren die exzentrischen und auffallenden Kleider den Maitressen und Kokotten vorbehalten, während es nur für die verheirateten Frauen als angemessen galt, wertvolle, aber elegante Kleider zu tragen, und von den jungen Frauen und Mädchen Bescheidenheit äusserer Erscheinung verlangt wurde. Das Korsett durfte das Dekolleté durchaus zur Geltung bringen, aber die erlaubte Tiefe wurde durch die Tageszeit, Art des gesellschaftlichen Anlasses und vor allem durch die Vertrautheit der sozialen Umgebung bestimmt. Das Korsett und die gesamte damit verbundene Gestaltung des Auftritts symbolisierten somit vor allem den gesellschaftlichen Rang und das Prestige, weshalb die Frauen mit dem niedrigeren gesellschaftlichen Status gern die Moden der Aristokratie und der Bourgeoisie nachahmten.

So sehr das Korsett die erotischen Reize der Frau hervorzuheben vermochte, besass es gleichzeitig eine etwas entgegengesetzte Bedeutung – die aufrechte Körperhaltung, die es erforderte, und der Schutz, welchen es dem Körper bot, demonstrierten die moralische Haltung der Trägerin. Bis Ende des 19. Jh. galt es für Frauen aller Schichten als unsittsam, ohne Korsett in der Öffentlichkeit zu erscheinen – «lockeres Korsett- lockere Sitten» – lautete eine in England des 19. Jh. geläufige Redewendung.
All das unterscheidet sich sehr von der expliziter Reduktion des weiblichen Körpers auf die optischen Reize und seine Funktion als Genussobjekt, wie wir es seit der Gründung des Magazin Plyboy 1953 erleben.

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Orgasm me first – Korsett in Zeiten der Me Too Bewegung

Ich traf meine Kundin, die so viel in ihre Verführung investiert hatte alleine in meiner Salon-Veranstaltung wieder, die der weiblichen Lust und der erotischen Selbstbestimmung gewidmet war. Ihr Freund hatte sie verlassen, nachdem sie etwas konsequenter auf dem eigenen sinnlichen Vergnügen beharrt hatte. Sie fragte mich, ob ich ihre Korsetts für Ausstellungszwecke verwenden möge, weil sie sich nicht mehr an ihre Leidenschaft erinnern will. Die Geschichte entfachte eine angeregte Salon-Diskussion und es stellte sich heraus, dass sich einige Frauen heute als Verliererinnen der sexuellen Revolution sehen, weil sie in der freien Sexualität nicht nur dazu gezwungen werden auf Liebe und Wertschätzung, sondern oft sogar auf die sexuelle Befriedigung zu verzichten. Auch die Umfragen von Psychologinnen und Sexologinnen belegen, dass insbesondere junge Frauen im intimen Setting mit einem egoistischen Verhalten der Männer konfrontiert sind, und den männlichen Dominanzstrategien oft nicht entgegenzuwirken vermögen. Die Kultur der Moderne, welche die sexuelle Freiheit der Frauen als Zeichen ihrer Macht stilisiert, ermächtigt sie offensichtlich noch weniger dazu, für ihr eigenes sinnliches Vergnügen einzustehen, als es in Zeiten meiner Jugend üblich war.
Da ich nicht nur Korsettdesignerin, sondern auch Psychologin bin, und den Wunsch verspüre, Frauen zu ermutigen, nicht nur an die Verführungskunst zu denken, sondern auch für ihre sinnlichen Bedürfnisse einzustehen, habe ich anschliessend ein Korsett mit der Aufschrift «#Orgasm me first» kreiert. Es wurde ganz schlicht. Ich liess die auffordernde Aussage in Schwarz auf einem weissen Leinenstoff aufdrucken. Die junge Frau in der Druckerei, die meinen Auftrag entgegennahm, liess sich in kein Gespräch über die Aussage der Kreation verwickeln und erledigte ihren Auftrag mit einer unerschütterlichen sachlichen Neutralität. Als meine Arbeit an diesem Korsett beendet war, wurde mir bewusst, dass dies vorerst meine letzte Kreation war.

Ob eine Frau, die ein Korsett trägt, heute noch als Subjekt oder lediglich als Lustobjekt betrachtet und erlebt wird, hängt offensichtlich vom Potential des Betrachters ab. In Zeiten der Sexualisierung und Vermarktung des weiblichen Körpers liegt die Gefahr nahe, dass die Frau auch im Korsett lediglich auf die primären Reize reduziert wird. Mir wäre es lieber, wenn ein Korsett erneut als Ausdruck von Schönheit und innerer Stärke fungierte, und vorerst Distanz signalisiert. Wenn die Diagnose von Eva Illouz über das Vorherrschen des hedonistischen Kalküls und die zunehmende Unfähigkeit, tiefe, verlässliche Bindungen einzugehen, stimmt, dann gilt es, den Einsatz der Verführungskräfte gut abzuwägen, auch wenn diese überall im Namen der Befreiung eingefordert werden. Vielleicht kann sich die Frau von heute zum Subjekt ihrer sinnlichen Inszenierung machen, indem sie den begehrenden männlichen Blick, der ihr begegnet, zu lenken beginnt? Möglicherweise dürfte sie ihn überhaupt erst dann erwidern, wenn er nicht nur Begehren, sondern Liebe – und am besten jenseits des Boudoirs – zum Ausdruck bringt.


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Literatur:

Valerie Steele: Fashion and Eriticism , Oxford University Press 1985
Valerie Steele: The Corset, Yale University Press 2001
Ridikül. Mode in der Karikatur, Du Mont 2003
Eva Illouz: Warum Liebe weh tut: Surhkamp 2016
Sandra Konrad: Das beherrschte Geschlecht, Piper 2017
Konrad Liesmann: Der Listige Gott, Zsolnay 2002


Danksagung:

Mein Dank geht an alle Freunde, die mir beim redigieren des Textes behilflich waren,  insbesondere an meine Schreibmentorin Marianne Ulmi.
Ich bin allen Fotografen dankbar, die meine Arbeit dokumentiert haben. Besonders dankbar bin ich Ewald Vorberg, der über mehrere Jahre hinweg mit viel Geduld an der Umsetzung meiner Vision der Sinnlichkeit, die der Subjektivität der Frau von heute gerecht wird,  beteiligt war.


Ausstellung:

Eine grosse Retrospektive meines Schaffens wird im Rahmen einer Ausstellung „Korsetts – edel und bunt geschnürt“, die auch historische Korsetts zeigt, im Museum Spielzeug-Welten in Basel vom 15. April bis 9. Oktober 2019 zu sehen sein. Meine gesamte Kollektion von 45 hochwertigen, handgefertigten Korsetts, wird nach der Ausstellung zum Kauf angeboten oder aber kann für weitere Ausstellungszwecke gemietet werden. Angaben zur Ausstellung finden Sie in meinem Blogartikel und auf der Homepage des Museums.

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Wollust – die schönste Todsünde. Lesung im Salon von Beata Sievi

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Korsett mit galanter Grafik, Beata Sievi Corset Artist 2003

Sexuelle Empfindungen und sexuelle Aktivitäten hängen mit der Befriedigung zentraler menschlicher Bedürfnisse zusammen. Sie zeigen eine große Variationsbreite sowohl in der Intensität des Erlebens als auch im Spektrum des sexuellen Verhaltens. Das sinnliche Verlangen kann einen Menschen gelegentlich derart überwältigen, dass dieser für Stunden, Tage oder sogar Wochen das Gefühl hat, nicht mehr Herr seiner selbst zu sein. „Mit Wollust zu leben ist, als wäre man an einen Geistesgestörten gefesselt“ – sagt Philosoph Simon Blackburn in seinem Essay „Wollust. Die schönste Todessünde.“ Und er betonnt, dass so etwas wie kontrollierte Ektase gar nicht gibt – wenn man vor Lust die Erde beben spürt. So ergeht es auf jeden Fall auch dem Protagonisten des Romans „Morbus Fonticuli“ von Frank Schulz, der der sexuellen Energie und dem üppigen Körper der Exfloristin Bärbel verfällt, und  dabei Verstand und Stellung verliert. Seine auserwählte scheint ein Archetypus der lustvollen Frau zu sein, die sich um nichts anderes, als um sinnliches Vergnügen kümmert:

«Sie war eine Holly Golightly aus der Provinz. Sie war eine der wenigen Frauen ohne Handtasche, die ich kannte; Geld trug sie lose in den Jeans beziehungsweise, wenn sie ein Kleid anhatte, in den Stiefelchen, im Slip oder im Dekolleté. Scheine, versteht sich. Münzen verwendete sie – und keineswegs erst zur Zeit ihres gerade zu spät venezianischen Lebensstils als prosperierende Geschäftsfrau – als Trinkgeld und Almosen, oder sie schenkte es Kindern. Sie rannte einfach so in der Gegend herum, nichts am sensationellen Leib als das Nötigste. Im Sommer lief sie barfuss, den Haustürschlüssel am Halskettchen, darüber ein leichtes Fähnchen: ohne Geld, ohne Sorgen, ohne Verlegenheiten. Fast immer fand sich ein lüsterner Grünschnabel, ein Marktbeschicker oder Schornsteinfeger, ein Intellektueller Stromer oder chevalesker Frührentner, der sich Schwachheiten einbildete und ihr ein Eis oder ein Glas Sekt spendierte. Sie lebte in den Tag und in die Nacht hinein, nicht nur in die Samstagnacht wie so viele ihre Altersgenossen.» Gab es für diese Romanfigur ein reeller Prototyp oder handelt es sich um reine Phantasie des Autors und die männliche Phantasie schlechthin?

Korsett mit galanter Grafik, Beata Sievi Corset Artist 2003, Silber Schnalle: Priska Steiner
Korsett mit galanter Grafik, Beata Sievi Corset Artist 2003, Silber Schnalle: Priska Steiner

Die 1,5 Stündige Lesung „Bärbel Episoden – oder die Fesseln der Wollust“, die am 6. April in meinem Salon stattfinden wird, bietet eine Auswahl der aufregendsten sinnlichen Abenteuer von Bodo und Bärbel. Faszinierend und fesselnd sind dabei nicht nur die sonderbaren Freilichtakten und originellen Szenarien der sinnlichen Begegnungen, sondern die Dynamik der gegenseitigen sexueller Herausforderung. „Wollust ist hier wie gemeinsames musizieren, wie eine harmonische Symphonie aus Freude und entsprechender Reaktion“ – beschreibt Blackburn eine glückliche Liebesbegegnung, was auch auf Bodo und Bärbel zutrifft.  Hier finden beide nicht in erster Linie Gefallen an sich salbt, sondern an der Erregung des anderen. Die Liebesszene auf der Köhlbrandbrücke gehört mit Sicherheit zu den gewagtesten Liebesszenen der Literatur. Wer an ihr Anstoss nimmt, dem sei erinnert, dass selbst der griechische Philosoph Diogenes den Geschlechtsakt als natürlich angepriesen hat, und um dies zu beweisen ihn mit seiner Frau Hipparchia auf den Treppen des Tempels  in aller Öffentlichkeit zu treiben pflegte.

Corset Colette Beata Sievi

Eindrücklich und sprachlich gewandt ist auch das Zugeständnis der Protagonisten des Romans für die gemeinsame Vorliebe für Lingerie, das die These vom Blackburn bestätigt, dass Wollust im wesentlichen die Vorfreude auf sexuelle Aktivität sei. Da auch meine Arbeit als Korsettdesignerin über die Jahre so verstandener Wollust diente, habe ich mit besonderer Freude folgenden Abschnitt des Romans von Schulz in die Strichfassung der Lesung, die zum ersten mal im 2006 in meinem Atelier stattfand, aufgenommen:

„Alle diese Körbchen, Leibchen, Höschen, diese tieffarbigen Korse- und Torseletts, diese Zierschnürrungen, diese Schleifchen und Schlaraffen, und Schlangengruben von Strümpfen! Manchmal hätte ich am liebsten niedergekniet vor den Puppen im Dessous Geschäft – o Bustier, o roter Tülleinsatz, o unziemliches Zaumzeug! O betörend schlüpfrige Phantasie, die du den Tanga über die Rüschenbändsel zu ziehen die Dekorateurin veranlasstest! O winziger technischer Appeal der blinkenden Schnalle inmitten der sündigen Feinstofflichkeit – o herrliche Sauerei! Die reinste Gehirnwäsche!“

Der Text verquirlt Nonsens und Kalauer, Ironie und Sarkasmus, Satire und Parodie, und ist – in der hervorragenden Interpretation des Schauspielers Ulrich Vogel – ein furioses Hörvergnügen. Ich freue mich darauf am 6. April 2019, nach 12 Jahren seit der ersten Lesung, den Text noch ein mal zu hören und diese Freude mit meinen Salon-Gästen zu teilen. Nach der Lesung findet eine moderierte Diskussion statt. Wir diskutieren darüber, ob und unter welchen Umständen sexuelle Impulse die Kraft besitzen unsere Willensprozesse zu durchkreuzen.

Wichtige Informationen über die Veranstaltung:

Teilnehmer*innen Zahl ist auf 18 Personen beschränkt. Es sind derzeit noch 4 Plätze frei. Anmeldung bis 8. März an salon@beatasievi.ch. Bitte bei Anmeldung volle Anschrift angeben.
Datum: 6. April 2019, 17-21 Uhr, Eintrittspreis: CHF 65 Neugäste/ CHF 55 Stammgäste inkl. Konsumption (Prosecco, Wein, Kafé, Tee, Salziges und Süsses. Ort: Salon-Bibliothek von Beata Sievi, Winterthur

Informationen über den Schauspieler:

Ulrich Vogel wirkt als Schauspieler, Sänger, Sprecher, Kabarettist und Bühnenbildner im Raum Karlsruhe – Frankfurt. Die Bühnenreife erlangte er am Staatstheater Karlsruhe.
Von 1992 – 2005 war er am Theater der Stadt Heidelberg als Schauspieler engagiert. Dort gewann er auf Grund seiner stimmlichen Fähigkeiten, auch spartenübergreifend, als Sänger ein treues Publikum. Daneben hat er sich durch zahlreiche, vor allem auch erotische Lesungen im Frankfurter Venusberg, einen Namen als gefragter Vorleser gemacht. Derzeit arbeitet er freiberuflich mit Wohnsitz in Karlsruhe.

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John Collier, Lilith, 1887

 

Traditionelles Korsett – Kunsthandwerk, das gelernt werden kann

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Korsett angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Korsett Artist, Januar 2019

Dieses wunderschöne Korsett wurde angefertigt unter meiner Anleitung von einer begabten Damenschneiderin aus dem Hessichen Rundfunk in Deutschland, die im drei tägigen Kurs sowohl die Verarbeitung des traditionellen Korsetts als auch die Schnittentwicklung nach Eigenmass erlernte. Der exklusive englische Korsettstoff und die St.Gallerspitze haben zu dem spektakulären Endeffekt beigetragen.

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Korsett-Anfertigung unter der Anleitung von Beata Sievi in Winterthur
Korsett-Anfertigung unter der Anleitung von Beata Sievi Corsett Artist
Korsett-Anfertigung unter der Anleitung von Beata Sievi Corsett Artist
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Korsett-Anfertigung unter der Anleitung von Beata Sievi Corsett Artist
Korsett angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Korsett Artist, Januar 2019
Korsett angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Corsett Artist, Januar 2019
Korsett angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Korsett Artist, Januar 2019
Korsett angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi Corsett Artist, Januar 2019

Dieser Basis-Kurs kann bei mir bis Ende August 2019 an den von Ihnen gewünschten Daten gebucht werden. Ich biete ihn in verschiedenen Varianten an:

Allen Besucherinnen aus dem Ausland empfehle ich eine Buchung meines Kurses im Zeitraum vom 15. April – 9.Oktober 2019, so dass er mit dem Besuch der Ausstellung „Korsetts edel und bunt geschnürt“ in Museum Spielzeug-Welten in Basel, die auch 45 Korsetts aus meiner eigener Kollektion umfasst, kombiniert werden kann.

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Spitzenbustier-Kurs – wie Kunsthandwerk und exklusive Materialien eine schöne Figur machen

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Perfekte Verarbeitung – Bustier-Kurs von Beata Sievi Corset Artist – Weiterbildung für Damenschneiderinnen

Seit Jean-Paul Gaultier zum ersten Mal Underwear as Outerwear zeigte, sind in den Couture Kollektionen Korsetts und Bustiers, die durch Lingerie inspiriert sind und als Abendgarderobe getragen werden immer wieder zu sehen. Die eingesetzten BH-Schalen betonnen das Dekolleté und sind ein Eyecatcher.

Korsett Nähen Spitzenbustier - Musterstück angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi
Spitzenbustier – Musterstück angefertigt unter der Anleitung von Beata Sievi

Seit Anbeginn meiner Tätigkeit als Corsetiére hat mich die Anfertigung eines Bustiers fasziniert, doch war es sehr schwer ohne spezifisches Wissen, das nirgendwo zugänglich war. 1999 kam ich auf die Idee ein Praktikum in einer kleinen Manufaktur in meiner Heimatstadt Gdansk, in Polen, zu absolvieren, um dort die entsprechenden Lingerie-Nähtechniken zu erlernen. Im Gegensatz zu einer Dessous-Fabrik, die über mehrere spezielle Maschinen verfügt, um einen BH oder ein Bustier anzufertigen, verfügte das kleine Unternehmen in Danzig nur über eine einzige, sehr einfache Nähmaschine. Die erfahrenen Schneiderinnen wussten dennoch mit Geduld und Geschick alle nötigen Arbeitsvorgänge auszuführen. Noch heute basiert meine Anfertigung auf diesem damals gewonnenen Grundwissen.

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Lingerie-Anfertigung Beata Sievi Archiv, 1999
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Spitzenbusier angefertigt im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018
Spitzenbusier angefertigt im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018
Spitzenbusier angefertigt im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018

Mit den Jahren gelang es mir, einige der Techniken zu perfektionieren und den Ansprüchen der Haute Couture anzupassen. Dank der Zusammenarbeit mit dem renommierten Spitzenlieferanten Forster Rohner, konnte ich mich auf die Massanfertigung von Spitzenbustiers aus St. Galler Spitze spezialisieren. Seit ein paar Jahren vermittle ich dieses Fachwissen in der Form von 2-tägigen Kursen an ausgebildete Fachpersonen weiter. Das Ziel des Kurses ist die Anfertigung eines Musterstücks in der Grösse 36 mit zwei unterschiedlich gestalteten BH-Schalen – um unterschiedliche Techniken auszuprobieren zu können. Die Kurse werden entweder individuell mit einer oder mit maximum 3 Teilnehmerinnen in Winterthur geführt.

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Spitzenbusier-Cups angefertigt im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018
Spitzenbusier-Cups angefertigt im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018
Spitzenbusier angefertigt von Iris Müller aus Nürnberg im Kurs von Beata Sievi, Dezember 2018

Im Dezember 2018 durfte ich zwei erfahrene Damenschneiderinnen aus dem Ausland in meinem Spitzenbustier-Kurs begrüssen. Ganz besonders habe ich mich über die Anmeldung von Barbara Pesendorfer aus Wien gefreut, die vor vielen Jahren einen meiner ersten Kurse in der Korsettanfertigung besuchte und inzwischen unter dem Label Royal Black Couture perfekt verarbeitete und einzigartige Korsett-Kunstwerke in Wien anbietet. Die Begegnung mit dieser faszinierenden Designerin und Schneidermeisterin war für mich eine Gelegenheit zu einem interessanten und wertvollen Fachaustausch. Die gemeinsame Arbeit erstreckte sich spät in den Abend hinein und es war schön, den gemeinsamen kreativen Ideen freien Raum zu lassen.

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Bustier – Kurs von Beata Sievi, das Gestalten einer BH-Schale
Perfekte Verarbeitung vom Bustier-Cup - Barbara Pesendorfer aus Wiencup barbara
Perfekte Verarbeitung vom Bustier-Cup im Kurs von B.Sievi – Barbara / Royal Black Couture
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Barbara Pesendorfer, (Royal Black Couture), mit dem Muster-Spitzenbustier angefertigt unter Anleitung von Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Dezember 2018
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Spitzenbustier-Kurs von Beata Sievi Corset Artist – Weiterbildung für Damenschneiderinnen

Gerne möchte ich den Spitzenbustierkurs noch einmal im Frühjahr 2019  – voraussichtlich im April/Mai durchführen.

Ich bitte um baldige Anmeldungen unter: atelier@entrenous.ch – das Datum kann gemeinsam gewählt werden. Gerne bentworte ich Ihre Fragen zum Kurs persönlich unter der Nummer 076 328 90 89. Eine PDF-Datei mit den Konditionen können Sie hier herunterladen: spitzenbustier verarbeitungskurs frühjahr 2019

Spitzenbustier-Kurs von Beata Sievi Corset Artist - Weiterbildung für Damenschneiderinnen
Spitzenbustier-Kurs von Beata Sievi Corset Artist – Weiterbildung für Damenschneiderinnen
 

Korsett und Emanzipation

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„Orgasm me too“ – Corset by Beata Sievi Corset Artist, Juli 2018

In den 20 Jahren meiner Arbeit als Korsettdesignerin wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, besonders gern von Journalisten, dass Korsett das ein Symbol der weiblichen Unterdrückung sei. Diesen Vorurteilen versuchte ich stets mit Gelassenheit zu begegnen. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren eine Reihe kultureller Veranstaltungen organisiert habe, die die Befreiung der weiblichen Sexualität aus den Fesseln des Patriarchats thematisieren, werde ich nun erst recht gefragt, wie ich Korsetterie und Emanzipation miteinander verbinde. Die Antwort: Das Korsett ist dazu bestimmt, die weibliche Verführungskraft zu bestärken. Es ist nicht das Korsett, das weibliche Verführung mit Unterdrückung verbindet, sondern das Patriarchat. Denn Korsette können Frauen durchaus darin bestärken, ihre Rechte und ihr Vergnügen aktiv einzufordern. Meine neuste Kreation will diese Auffassung deutlich zum Ausdruck bringen.

Korsett revolution
Werbung für Ball`s Corset ca. 1880

Korsett und erotische Subjektivität der Frau

Als ich mich vor 20 Jahren mit der Geschichte des Korsetts zu befassen begann, stiess ich auf die Werke der amerikanischen Modeforscherin Valerie Steele. Die Untersuchung konkreter historischer Beispiele führte sie in ihrem Buch „The corset. A cultural history“ zum Schluss, dass ein Mieder schon früh ein Mittel der selbstbewussten Inszenierung weiblicher Schönheit war und in Verführungen gekonnt eingesetzt wurde. Frauen des 18. und 19. Jh. waren weit davon entfernt, lediglich Objekte des männlichen Begehrens zu sein, sondern spielten aktiv mit ihrer modischen Aufmachung. Valerie Seele lieferte mir damit einen Beweis für meine vage Intuition, dass es zu kurz greift, Korsetts per se mit Einschnürung gleichzusetzen, und sie bestätigte mir die starke Faszination für dieses besondere Objekt. Das fundierte Wissen über die Korsettgeschichte habe ich sowohl in meinem Unterricht integriert als auch den Journalisten zu vermitteln versucht.

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Jean-François Detroy, Lady showing bracelet to her suitor, 1734

Heute, nach der Lektüre der Werke der berühmten Soziologin Eva Illouz, würde ich zu der Analyse von Valerie Steele gerne etwas ergänzen. Auch wenn früher das Korsett den Frauen in sexuellen Beziehungen durchaus zu Subjekt- und nicht einfach zu Objektstatus verholfen haben mag, so verblieb ihre Autonomie dennoch auf einen relativ schmalen Raum beschränkt. In ihrem Werk „Warum die Liebe weh tut“ argumentiert Eva Illouz, dass Schönheit und sinnliche Anziehungskraft in der patriarchalischen Gesellschaft über Jahrhunderte so etwas wie ein „erotisches Kapital“ darstellten. Diese auf dem Heiratsmarkt und in illegitimen Liaisons bewusst eingesetzte Währung ermöglichte es Frauen, einen sonst unzugänglichen ökonomischen oder sozialen Status zu erreichen. Dass bei diesem Tauschhandel ihre sexuellen Bedürfnisse angedeutet, aber nicht unbedingt befriedigt wurden, mussten sie angesichts mangelnden Wissens über die weibliche Sexualität und in Anbetracht rigider Moralvorstellungen hinnehmen.

Erotische Freiheit und fehlende Selbstbestimmung

Heute ist die Situation anders. Die Chancen für den sozialen Aufstieg und Reichtum sind zwischen den Geschlechtern zwar noch nicht gleich, aber auf der Seite der Frauen grösser als je zuvor. Das fundierte Wissen über weibliche Sexualität ist vorhanden und gut zugänglich und die Einschränkungen der Religion sind weggefallen. Wie steht es aber um die weibliche Selbstbestimmung in der Sexualität in dieser neuen Epoche der Befreiung? Die junge Philosophin Margret Stokowski gibt in ihrem Buch «Untenrum frei» folgende Antwort: «Während wir glauben, wir hätten die Fesseln des Patriarchats längst gesprengt, haben wir nur gelernt in ihnen shoppen zu gehen». Dabei bezieht sie sich auf die Tatsache, dass sehr viele Frauen in den erotischen Begegnungen immer noch auf ihr erotisches Vergnügen verzichten. Dies bestätigen Psychologinnen und Sexologinnen wie Martha Meana, Peggy Orenstein, Tabea Freitag und Sandra Konrad, die sowohl mit reifen als auch mit jungen Frauen arbeiten. Die Forscherinnen machen darauf aufmerksam, dass vielen Frauen von heute der Zugang zum eigenen sinnlichen Empfinden fehlt. Oft wissen sie kaum, was sie wollen, und lassen sich deshalb auf sexuelle Praktiken ein, die ihnen keinen Spass bereiten. Sie täuschen den Männern ihre Erregung vor und stellen das eigene Vergnügen hintenan. Woran liegt es, dass viele Frauen selbst nach der sexuellen Revolution so bereitwillig Männer befriedigen und so wenig Engagement für die Erfüllung ihrer eigenen sexuellen Wünsche zeigen?

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Stoffdruck für das neue Korsett von Beata Sievi Corset Artist

Psychologische Forschungen nennen unterschiedliche Gründe. Erstens sind viele Frauen immer noch überzeugt, dass sie durch sexuelle Unterwerfung das Interesse des Mannes gewinnen oder dieses erfolgreich aufrechterhalten können. Insbesondere, wenn es um die erste Verliebtheit geht, steht die Sexualität im Dienst der Bindung und wird unbewusst instrumentalisiert. Hier ist das eigene Vergnügen noch involviert, aber das erotische Potential wird oft nicht ausgeschöpft, weil Mädchen ihre Climax und all das, was zu ihr führen könnte, von ihren jungen Partnern nicht einzufordern wissen. Auch in Langzeitbeziehungen kommen viele Frauen nicht auf ihre Kosten, weil ihnen die Lust mit den Jahren abhandenkommt. Gefangen in dem Modell der monogamen Ehe, verzichten sie auf erregende Abenteuer und zwingen sich, die eheliche Pflicht auch ohne Lust zu erfüllen.

Als zweite Gruppe der Motive, weshalb Frauen auf die männlichen sexuellen Wünsche reagieren, auch wenn sie selbst dabei nicht erregt sind, nennen die Forscher Befriedigung unterschiedlicher sozialer Bedürfnisse. In vielen persönlichen Interviews und Fragebogen mit Heranwachsenden zeigt sich, dass vor allem Fellatio eine verbreitete Praktik ist, die nur von den Männern mit körperlicher Lust betrieben wird. Junge Frauen hingegen schildern sie als eine „unpersönliche Angelegenheit“ und sie vergleichen Oralverkehr sogar mit einem Zahlungsmittel, das ihnen besondere Dienste leistet. Ganz anders als vor 30 Jahren, als orale Stimulation noch als Zeichen einer ganz grossen Intimität galt.

Das neue Korsett von Beata Sievi Corset Artist - Entstehungsprozess
Das neue Korsett von Beata Sievi Corset Artist – Entstehungsprozess

Die Befragungen von Jugendlichen zeigen zwei Hauptmotive, weshalb junge Frauen Männer oral befriedigen, selbst wenn sie dabei weder emotionell engagiert noch erregt sind. Einerseits versuchen sie damit in Situationen grossen Drucks – bis hin zur Erpressung – den Partner mit oralem Sex zu besänftigen, ohne in den Geschlechtsverkehr einwilligen zu müssen. Die Häufigkeit, mit welcher sie diese Strategie anwenden, deutet daraufhin, dass männliche Dominanz im heutigen Dating sehr oft vorkommt und es den Frauen an anderen Mitteln, damit umzugehen, komplett fehlt. Zudem gibt es, aller Aufklärung zum Trotz, heute noch Frauen, die glauben, dass Männer aufgrund der hormonellen Unterschiede von der sexuellen Spannung befreit werden müssen und dass Verantwortung dafür einer Frau obliegt. Als zweites Motiv für ihre Fügsamkeit führen viele Mädchen an, dass eine Einwilligung in Fellatio ihnen „die richtige Art der Popularität“ unter den Männern einbringt und ihren Status in der Peer-Gruppe erhöht. Offenbar setzt hier die von Männern produzierte Pornografie bereits im Alltag die Standards dafür, was Frau für einen Mann interessant macht.

Gefragt nach ihrem eigenen Empfinden geben Mädchen zu, dass sie bei solchen Praktiken keinen wirklichen Spass haben. „But it’s definitely not the physical side of it, because that’s so gross and it really hurts my throat. I mean, it’s sort of fun getting in the rhythm of it. But it’s never fun fun”, meinte eine 18-Jährige, die von Peggy Orenstein interviewt wurde. Diese Haltung unterstützen bedauerlicherweise zahlreiche Frauenzeitschriften, indem sie nicht nur einfache Tipps für Fellatio abgeben, sondern auch – wie z.B. in der Online-Version von Glamour und Freundin – Frauen belehren, wie es möglich ist, sogar den Würgereflex abzutrainieren, um den berühmten „Job“ besser zu verrichten.

„Würde die Menschheit dieselben Anstrengungen in die Raumfahrt stecken, wie die Redaktionen von Frauenzeitschriften in Blowjob-Ratgeber, könnten wir längst zum Kaffeetrinken auf den Mars“ – bringt es Margret Stokowski auf den Punkt.

Auch ich betrachte die gegenwärtige Situation als höchst problematisch und alarmierend. Das grösste Potential der Sexualität liegt in der Reziprozität! Sexuelle Praktiken, in welchen männliche Bedürfnisse nach sexuellem Vergnügen selbstverständlich befriedigt werden, während die Frau ihre körperlichen und emotionalen Empfindungen gänzlich abspalten muss, um daraus irgendeinen sekundären psychischen oder sozialen Nutzen zu ziehen, kreieren ein ungesundes strukturelles Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Sie entfremden beide Agierende vom Glückspotential, das einer reziproken erotischen Begegnung innewohnt. Eine derartige Instrumentalisierung der weiblichen Sexualität untergräbt zudem die Integrität der Frau und zementiert die patriarchalen Strukturen.

Beata Sievi Corset Artist 2

“Orgasm is a human right”

Die erotische Anziehung zwischen den Menschen ist eine Urkraft. Von Anbeginn meiner Arbeit als Korsettdesignerin habe ich mich als Botschafterin dieser Kraft verstanden. Meine Korsetts sind dazu bestimmt, in den heterosexuellen Beziehungen die weibliche Verführungskraft zu bestärken. In meinen Kreationen sehen Frauen so aus, wie sie sich wünschen und wie das männliche Auge es erträumt. Der begehrende Blick eines Mannes vermag dafür die weiblichen Sinne anzuregen. Hier stehen sich beide Geschlechter in ihrer vollen Potenz als gleich starke Wesen gegenüber. Dieses Potenzial soll aber auch in der sinnlichen Begegnung Entfaltung und Kulmination finden. Um dies zu erleben, müssen Frauen sich dazu entscheiden, ihr sexuelles Vergnügen einzufordern.

 

Literatur:

The corset. A cultural history, Valerie Steele
Warum Liebe weh tut. – Eva Illouz, Surkamp 2016
Girls & Sex: Navigating the Complicated New Landscape.- Peggy Orenstein, Paperback 2017
Die versteckte Lust der Frauen. – Daniel Bergner, Knaus 2014
Emotionale Gewalt durch Pornografie und frühe Sexualisierung. -Tabea Freitag in: Bindung und emotionale Gewalt – Karl Heinz Brisch(Hrsg.), Klett-Cotta 2017
Das beherrschte Geschlecht – Sandra Konrad, Piper 2017
Untenrum frei. – Margret Stokowski, Rowohlt 2017

Beata Sievi and Esther
Beata Sievi während des Fotoshootings mit einer Passantin, die sich spontan für das Korsett begeistert

 

As a trained psychologist and tailor I always aimed for deeper understanding of fashion, seduction and gender roles and I used to see the corset as a mean of women`s subjective erotic play. It was the author of the book “The Corset. Cultural history” Valerie Steel, who helped me to understand the corset in this way and her concept of eroticism in fashion influenced my work as corset designer for past twenty years.
In the very last time however I was faced with researches showing the alarming lack of subjectivity of young women, rooted in attachment insecurity and being trapped in standards of pornographic culture. Sociological analyses of Eva Illouz led my finally to the conclusion that it is time to take apart from my artistic activity in corset-making and come back to psychology.
My last creation was an attempt for the artistic interpretation of corset as a symbol of women’s subjectivity. After long reflection I came to conclusion that only as clear statement, as the one I have placed on my corset, can make it nowadays clear, what Eva Illouz postulates in her lectures and books, f.i. “Why love hurts”. She stats that the beauty and its enhancement built the erotic asset of women in the past but she points out, that it was the only capital, which could have been exchanged for either love or social status in order to participate in the men’s power. As my own research on the history of sexuality shows this exchange didn’t included the right for erotic pleasure, which is particularly sad for such erotic garment as corset. After this reflection I came to conclusion that instead of enhancing women’s seductive power it is more important to encourage them to invest in their education and professional skills as a way to obtain the social acknowledgement and support them in their quest for sexual pleasures. The corset might still be occasionally a mean of erotic play but only if this is a play on equal footing and the gain is no other than mutual sensual pleasure.

 

Olga Kaminska im Belle Époque Korsett

Beata Sievi und Olga Kaminska
Korsett-Designerin Beata Sievi und Model Olga Kaminska, Bild: Ewald Vorberg 2018

Es freut mich die Dritte Bilder-Serie der letzten Fotosession mit Olga Kaminska und Ewald Vorberg  publizieren zu dürfen. Das schwarz-weisse Belle Époque Korsett entstand im Winter letzten Jahres und wurde nun zum ersten mal in Szene gesetzt. Olga Kaminska ist ein erfahrenes Model und verkörpert die Schönheit und die Sinnlichkeit, die ich mit meinen Kreationen assoziiere. Für mich war die Zusammenarbeit ein besonderes Erlebnis, weil sie, wie ich, aus Polen kommt. Die gemeinsame Sprache, die gegenseitige Sympathie  und Olgas authentische Begeisterung für meine Korsetts haben zum Erfolg dieser Fotosession zusätzlich beigetragen.

Olga Kaminska im Korsett von Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg
Olga Kaminska im Korsett von Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg

Das Korsett ist verkäuflich. Gr.38, Preis CHF 1800, Massanfertigung je nach Grösse und Figur ca. CHF 2400-2900. Gerne vereinbare ich mit Ihnen einen Anprobe- oder Beratungstermin: atelier@entrenous.ch.

Ein neues Boudoir Korsett oder vom Reiz der Schönheit

Boudoir Korsett by Beata Sievi Corset Artist, Photography: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska
Boudoir-corset by Beata Sievi Corset Artist, Photograph: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska

Die neuste Forschung weist darauf hin, dass wir uns darüber täuschen, was uns wirklich beim anderen Geschlecht anzieht. Als Hauptgründe für den Vorgang des Sich-Verliebens werden  physische Attraktivität, gefolgt von der eigenen Ähnlichkeit mit der anderen Person genannt. Psychologe und Kommunikation-Forscher Steve Duck ging davon aus, dass die Qualität der Konversation ebenfalls ein möglicher Prädiktor von romantischer Anziehung sein könne, allerdings liess sich diese Vermutung experimentell nicht bestätigen, weder bei Männern noch bei Frauen. Somit scheint es bewiesen zu sein, dass es nicht unbedingt der Geist und der Charakter eines Menschen sind, die uns am stärksten einnehmen, was eine Denkerin und berühmte Saloniere des 17 Jh. Ninon Lenclos bereits 1660 feststellte.

Boudoir Korsett by Beata Sievi Corset Artist, Photography: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska
Boudoir Korsett Beata Sievi Corset Artist, Photograph: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska

„Was ist die Bestimmung der Frauen? Was verlangt der Mann von ihnen? Es ist unrecht, die Frauen der Eitelkeit und der Leichtfertigkeit zu beschuldigen, weil sie so viel Wert auf die Schönheit legen, tun sie es doch nur, um dem Manne zu gefallen und ihn glücklich zu machen! Ist es nicht wirklich der Reiz unseres Umganges, die Zartheit unserer Sitten, denen der Mann die schönsten Freuden, sein ganzes Glück verdankt? Seien Sie ehrlich! Würden die Wissenschaften, der Ehrgeiz, würde die Tapferkeit, selbst die Freundschaft, von der Sie so viel Wesens machen, allein genügen, um Sie glücklich zu machen? Ganz gewiss nicht. All dies vermöchte nicht, Sie das langweilige Einerlei des Lebens vergessen zu machen, das so erdrückend ist, und Sie würden tief zu beklagen sein.“

Boudoir Korsett by Beata Sievi Corset Artist, Photography: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska
Boudoir Korsett Beata Sievi Corset Artist, Photograph: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska

 

„Es ist das Amt der Frauen, diese tödliche Langeweile durch ihre pikante Heiterkeit, durch die fröhliche Grazie ihres Verkehrs mit Euch, zu zerstreuen. Nur durch den Umgang mit den Frauen werden Sie jene köstliche ausgelassene Freude, das liebenswürdige Delirium und jene geistige Trunkenheit kennen lernen, die Sie das Alltagsleben vergessen macht und die ganz mit dem Gefühle erfüllt, glücklich zu sein.“

„Kommen wir zum Schlusse. Wenn es wahr ist, dass Sie das Glück Ihres Herzens nur den liebenswürdigen Eigenschaften der Frauen verdanken – und daran ist wohl nicht zu zweifeln – so können Sie sicher sein, dass auch Sie den Frauen nur durch ähnliche Vorzüge gefallen werden. Ihr Männer rühmt Euch Eurer Solidität, Eurer Kenntnisse usw. Aber sagen Sie, würde das Leben nicht grenzenlos langweilig und öde sein, wenn Sie dazu verdammt wären, nur mit Tugendhelden, Gelehrten und Philosophen umzugehen. Steifen Sie sich also nicht darauf, in dem Sinne, wie Sie es meinen, sich als bedeutenden Mann aufzuspielen. Als Verdienst werden nur die Eigenschaften betrachtet, die die Leute, denen Sie gefallen möchten, zu verstehen und zu schätzen wissen. In der Liebeskunst, mein Herr Marquis, gibt es eigene, ganz besondere Gesetze, und im Reiche der Liebe ist nur der Liebenswürdige ein weiser Mann.“ (Briefe der Ninon Lenclos, Insel Verlag 1989)

Boudoir Korsett by Beata Sievi Corset Artist, Photography: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska
Boudoir-corset by Beata Sievi Corset Artist, Photography: Ewald Vorberg, Model: Olga Kaminska

Das Türkis-rote Boudoir-Korsett in der Gr. 38, mit einem Reissverschluss vorne und einer Schnürung hinten, angefertigt aus einem seltenen Baumwolle Pique-Stoff und aus einer kostbareren St.Galler Spitze, die von Hand angenäht wurde, ist ein Unikat. Das Korsett kann in meinem Atelier anprobiert und sofort gekauft werden. Preis: CHF 2190 ohne Strapsen, CHF 2490 mit Strapsen. Das Modell kann auch in anderen Grössen und in anderen aparten Farbkombinationen angefertigt werden. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme unter: atelier@entrenous.ch

Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist in Winterthur
Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist in Winterthur

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Olga Kaminska wearing a corset made by Beata Sievi, Photography: Ewald Vorberg

 

 

Das rote Korsett aus St.Galler-Spitze

Spitzenkorsett und Jupe aus Seidentaft von Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg
Spitzenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg

Spitzenkorsett - Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg
Spitzenkorsett – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg

Olga 3
Spitzenkorsett und Jupe aus Seidentaft von Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg

Als ich die Bilder meiner letzten Fotosession mit Ewald Vorberg und Olga Kaminska sah, war ich sprachlos. Daher ist dieser Blogbeitrag kurz. Das Spitzenkorsett kann in Rot oder in 10 anderen verführerischen Farben in Feinmassanfertigung oder in Standard-Grösse 38 bestellt werden. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme unter: atelier@entrenous.ch. Zögern Sie nicht!

„Schönheit und Eleganz versetzen unser irdisches Sein ins Paradies.“
Michael Dur

Spitzenkorsett - Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg
Spitzenkorsett – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist, Bild: Ewald Vorberg

 

ROTES SPITZENKORSETT

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Schon immer war es mein Anliegen meinen Kundinnen ein Korsett anbieten zu können, das romantische Eleganz und Trage-Komfort miteinander verbindet. Das im Jahr 2016 entwickelte Spitzenkorsett „Secret lover“ ist eine Kostbarkeit, die diese Ansprüche im höchsten Masse erfüllt. Auf Wunsch von meinen Kundinnen ist das Modell nun auch in einer nicht transparenten Version erhältlich. Exklusive St.Galler-Spitze ist bei diesem Korsett gänzlich mit einem dunklen Seidentüll unterlegt. Das raffinierte Oberteil kann somit sowohl für ein intimes Rendezvous als auch für einen Gala-Anlass getragen werden.

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Der Herstellungsprozess, erfordert im Durchschnitt 35 Stunden Handarbeit. Bei Kundinnen, die bereits ei Korsett von mir besitzen, entfallen die Kosten der Schnittentwicklung. Die St.Gallerspitze ist auch in anderen Farben erhältlich.

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze und Stola aus Satin und Kunstpelz – Massanfertigung bei Beata Sievi 

Korsett aus St.Galler-Spitze - Massanfertigung bei Beata Sievi Korsett Artist
Korsett aus St.Galler-Spitze – Massanfertigung bei Beata Sievi Corset Artist

Korsett-Dekoration – Unterrichts-Impressionen

Dekorationskurs 3
Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Im Dezember fand mein neuer Korsett-Handwerk Kurs, der an Fachpersonen mit Erfahrung in der Korsettherstellung gerichtet war. Zwei Damenschneiderinnen und eine begabte Hobbyschneiderin haben in dem Kurs ein ganz besonderes Unterbrustkorsett angefertigt. Das Korsett war als Musterstück gedacht, an dem viele verschiedene anspruchsvolle Dekorationstechniken demonstriert wurden.

Dejorations Kurs Beata Sievi Corset artist
Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur

Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur
Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur

Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur - Bild: Bernhard Holdener
Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur - Bild: Bernhard Holdener
Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Korsett-Kurs von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur - Bild: Bernhard Holdener
Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur - Bild: Bernhard Holdener
Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi Corset Artist  – Bild: Bernhard Holdener

Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi Corset Artist in Winterthur - Bild: Bernhard Holdener
Kurs in Korsett-Anfertigung von Beata Sievi t in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Anspruchsvolle und originelle Dekorationstechnik gehört zu meinen Vorlieben – daher hat mir der Kurs besondere Freude bereitet. Auch schätze ich den Austausch mit den Fachkolleginnen und sehe gerne, wie sie das Wissen, das ich ihnen vermittle, mit Engagement und Begebung umsetzen.

Dekorationskurs 2
Beata Sievi Corset Artist in ihrem Atelier in Winterthur – Bild: Bernhard Holdener

Der nächste Dekorations-Kurs ist für 24. März vorgesehen. Nähere Informationen finden Sie  hier: Dekorative Techniken – Gruppenseminar März 2018 Über alle meine Kurse informiert die Homepage: www.ecoleducorset-entrenous.com.