Kategorie: Geschichte des Korsetts

Mode und Eros – Ansichten der führenden Modehistorikerin Valerie Steele

Beata Sievi, Inhaberin des Korsett-Ateliers "entre nous" empfiehlt das Buch "Fashion and Eroticism" von valerie Steele
Beata Sievi, Inhaberin des Korsett-Ateliers „entre nous“ empfiehlt das Buch „Fashion and Eroticism“ von Valerie Steele

Das traditionelle Bild der viktorianischen Frau präsentiert sie als „in unbequemes Korsett eingeschnürt und prüde, ihre Kleidung – ein äußeres Zeichen für ihre sexuelle Unterdrückung und Ausbeutung“. Angeblich war es erst die Frauenbewegung und der Erste Weltkrieg, die dazu beitrugen, Frauen als befreite Individuen mit zwei Beinen anzusehen. Doch Valerie Steele zeigt, dass es die Erotik war, die die Grundlage für das viktorianische Ideal der weiblichen Schönheit und Mode bildete. Und im Allgemeinen, dass die Konzepte von Schönheit und Mode im Wesentlichen erotischer Natur sind. Die berühmte Modeforscherin zeigt, dass viktorianische Frauen, weit davon entfernt waren passive „Sex-Objekte“ zu sein. Genauso wie ihre modernen Pendants haben sie sich mit dem erotischen Ideal als einen Aspekt ihrer eigenen Selbstverwirklichung identifiziert. Auch das berüchtigte Korsett war weder fetischistisch noch eine ungesundes Folterinstrument, argumentiert sie, obwohl seine reichhaltige und ambivalente sexuelle Symbolik Kontroverse ausgelöst. „Fashion und Eroticism“ zeigt, wie sich der moderne New Look natürlich aus der Vorkriegs-Welt der Mode und nicht als Teil einer „antifashion“ oder Reform Bewegung entwickelte.

Fashion and Eros  - Anna in der Korsettkreation im Still des 19 Jh. von Beata Sievi, Bild Beata Sievi
„Fashion and Eros“ – Anna in der Korsettkreation im Still des 19 Jh. von Beata Sievi, Bild: Beata Sievi

Steele Schlussfolgerungen basieren auf erstaunlichen Belegen, einschliesslich visuellen und materiellen Forschungen, in Kostüm-Sammlungen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Europa und Japan. „Fashion und Eroticism“ ist nicht nur eine radikale Revision des konventionellen Verständnisses der viktorianischen Mode, es ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Frauen und ihrer Sexualität.

Fashion and Eros Bild Stanislav Kutac
„Fashion and Eros“ – Models Anna und Cindy in den historisch inspirierten Korsett-Kreationen von Beata Sievi,  Bild Stanislav Kutac

„It seems far more likely that woman’s dress was intended to convey the impression of beauty. The fashion might have been at times uncomfortable or inconvinient, but it diverted attention from possible defiencies of nature, while drawing attention to attractive features, and ideally making the wearer look and feel pretty and charming. It hast been pointed out that „the mind may take pleasure in something which to the body is pain or at least an inconvenience. This is very different from saying that the mind takes pleasure in something because it is painfull.“

Valerie Steele, Fashion and Eroticism, New York, Oxford University Press 1985

Le Corset – das Werk von Libron

Unsere Praktikantinnen haben Möglichkeit im Atelier das berühmte Werk von Libron “ Le Corset dans l’Art et les Moeurs du XIIIe au XXe Siècle“ aus dem 1933 zu konsultieren.

“ Le Corset dans l’Art et les Moeurs du XIIIe au XXe Siècle“ – seit Kurzen im Besitz unseres Ateliers

Written some years after the heyday of corsetry by Fernand Libron, president of the Chambre Syndicale des Fabricants de Corsets, and Henri Clouzot, conservateur of the Musee Galliera (better known today as the Musee la Mode et du Costume), this monumental costume book pays special tribute to Ernest Leoty’s very scarce Le Corset a Traverse les Ages (1893), which includes detailed cutting paterns and technical information for the tailor who specializes in making corsets. “A corset is somewhat similar to an umbrella in its construction. When the umbrella is raised, the fabric tautens. The ribs are reinforced with metal tips, to which the fabric of the umbrella is sewn. These tips hold the fabric in a tautened condition while the umbrella is in use. It is the same with a corset” (O.Y. Dalziel). Text in French. Accompanied by 15 loose engravings, listed in the index of illustrations under the heading “Album.”

Marie Antoinette – „Fashion-victim“ oder Vorbotin der neuen Modetrends ?

Die im 2006 im „Reunion des musees nationaux“ erschienene „Gazette des autours de Marie-Antoinette“ stellt eine äusserst wertvolle Quelle der Informationen über die Mode des Rokoko dar. Nicht nur können wir darin einen Nachdruck des Original-Katalogs der königlichen Roben mit den entsprechenden Stoffmustern aus dem Jahr 1782 finden, sondern auch zahlreiche Modezeichnungen und Entwürfe der Kleider. Die Essays reflektieren die neue Bedeutung des Luxus in der Zeit der Aufklärung und die dynamische Entwicklung der Mode zu Zeit der Marie-Antoinette. Die Autoren diskutieren kritisch die Berichte der Epoche, die die Königin als „Opfer der Mode“ stigmatisierten und erläutern ihre Rolle, als Vorläuferin der modernen Eleganz.

« Etre noble, s’est une obligation de paraître, c’est étre condamne, sous peine de déchéance, au luxe et à la depénse » (G.Duby)

Ariane James Sarazin, Régis Lapasin – „Gazette des autours de Marie-Antoinette »

Grande Robe à la Française 1783, Dessin de Leclerc, Galerie de modes françaises
Robe a l’anglaise avec corsage lié par des ganses de soie verte; Livre-journal de Madame Eloffe, marchande de modes, 1885
Stoffmuster für ein Kleid genannt „Levite“
La lévite – ein leichtes Kleid inspiriert durch ein Theaterkostüm aus dem Stück „D’Athalie“

Le XVIIIe au goût du jour – Haute Couture Kreationen in Versailles

Anschliessend an die Soiréehabe ich meine Stofflieferanten in Paris besucht und die Gelegenheit genutzt um eine interessante , der Epoche des Rokoko gewidmete Mode-Ausstellung in Versailles zu besuchen.

Zwischen Haute Couture und Prêt-à-porter, rund fünfzig Modelle der großen Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts gehen den Dialog mit den Kostümen und Accessoires aus dem 18 Jh. Jahrhundert ein und erzählen, wie das Rokoko im 20 Jh. stets auf neue mit einem konstantem Interesse  zitiert und reinterpretiert wurde. In die Räume des Grand Trianon, des berühmten Lustschlosses von Ludwig IV Versailles eingebet, lädt die Ausstellung zum Trumen ein über die vergangene Opulenz du Liebe zur Schönheit.

Hier einige Eindrücke:

Kreationen von Christian Lacroix
Karl Lagerfeld für Chanel
Balenciaga
Peristyl des Grand Trianons
Kreation von Vivianne Westwood im Malachite Zimmer
Thierry Muggler, Ballrobe Infante F/W 1992-1993
Kreation von Yamamoto
„Marie Antoinette“ Oliver Theyskens für Rochas, 2006

 Interessante Video Reportage aus der Ausstellung finden Sie auch unter folgendem link (kopieren und in Browser einsetzten):

http://carpewebem.fr/le-xviiie-au-gout-du-jour-au-chateau-de-versailles/