Kategorie: Beata Sievi

UNBESIEGBAR ELEGANT

Text: Beata Sievi

Beata Sievi Corset Artist web 2020
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

„Wenn ich gut aussehe, fühle ich mich unbesiegbar“, – diesen Satz wählte Flurina Rothenberger, Journalistin des digitalen Magazins Republik, als Titel eines Artikels über den jungen afrikanischen Modedesigner und Fotografen Andile Buka. Bukas Statement steht für das in der afrikanischen Kultur typische Bedürfnis, durch äussere Erscheinung positiv aufzufallen, und dies ungeachtet der nicht selten prekären Lebensumstände. Die Modeaufnahmen von Andile Buka zeichnen sich durch eine innovative Bildersprache aus, die mit Coolness und Selbstbehauptung Kleider in Szene setzt, die nicht aus neuen, teuren Stoffen, sondern aus gebrauchter und ausrangierter Markenware entstanden sind. Dieses Upcycling-Design, ursprünglich aus dem sog. „thriften“ (thrift = Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit) entstanden, wurde in Afrika in den letzten Jahren zu einem neuen, wichtigen Trend.

Die Models auf Bukas Bildern wirken erstaunlich selbstbewusst, auch wenn ihre Jacken und Hüte aus Fragmenten verschiedener ausgetragener Kleider gemacht sind. Ihr Look ist gepflegt und in der Unkonventionalität leicht herausfordernd. „Sogar wenn ich nichts besitzen würde, wenn ich gepflegt und gut aussehe, fühle ich mich unbesiegbar und bereit, meine Probleme anzugehen,“ sagt der Designer und Fotograf. Ein Satz – eine Haltung. Darin erkannte ich mich spontan wieder. Dass die Bedeutung der äusseren Erscheinung für mich als Bekleidungsgestalterin und Korsettdesignerin während der 20-jährigen Berufskarriere selbstverständlich war, wird niemanden überraschen. An dieser Einstellung halte ich auch bei meinem jetzigen Engagement im sozialen Bereich fest, der seit einem Jahr mein neues Wirkungsfeld ist.

*The Sartists“, Andile Buka

Eleganz oder Nonchalance?

Angestellt als sozialpädagogische und später psychologische Praktikantin – obwohl mit einem anerkannten Diplom, zahlreichen Weiterbildungen und umfangreicher Lebenserfahrung im Gepäck – fand ich mich plötzlich auf der untersten Stufe der institutionellen Hierarchie. Eine besondere Lage für jemanden, der 20 Jahre ein eigens Unternehmen geführt hat. Im vergangenen Jahr kam ich mir oft vor, als würde ich nichts besitzen. Denn Fähigkeiten, die von der sozialen Umgebung nicht wahrgenommen und geschätzt werden, vermögen uns keine Kraft und kein Selbstbewusstsein zu verleihen. In dieser Lage blieb meine äussere Erscheinung manchmal das Einzige, was ich bewusst gestalten konnte, und ein Signal, dass ich mich selbst nicht aufgebe, trotz der Versuche meiner Umgebung, mich klein zu halten.

Anthropolog*innen halten den Drang, die eigene Attraktivität mit Hilfe materieller Güter zu steigern, gar für eines der ersten Zeichen der Zivilisation. Dieser Drang scheint allerdings nicht in allen gesellschaftlichen Feldern gleich ausgeprägt zu sein. Die sozialen Berufe, zumindest in der Schweiz, scheinen mir jedenfalls wenig davon gezeichnet. Hier ist eine nonchalante oder sogar abschätzige Haltung gegenüber Mode und Eleganz vorherrschend. Die inneren Werte im Blick, ist man bemüht zu beweisen, es nicht nötig zu haben, etwas darzustellen. Auf die Spitze trieb es einmal ein Sozialpädagoge, den ich als Referenten in meinen Salon eingeladen habe. Als ich ihn informierte, dass der Dress-Code meiner Abendveranstaltungen smart casual sei und die Gäste den eleganten Auftritt schätzten, antwortete er, dass er so kommen werde, wie er sei, und hoffe damit zu genügen. Und er trat in Turnschuhen, alten Jeanshosen und in einem ausgetragenen Hemd auf. Die Gäste fassten seine Gleichgültigkeit gegenüber der äusseren Erscheinung als ein beinahe aggressives Missachten der Regeln des Hauses auf. „Der Anspruch, um seiner unverstellten Authentizität willen genommen zu werden, wie man ist, hat etwas merkwürdig Narzisstisches“, stellt Modeforscherin und Philosophin Barbara Vinken in ihrem Buch „Angezogen“ fest. Denn damit bezeuge man, es nicht nötig zu haben, sich gegenüber den anderen in Beziehung zu setzen.
Erst, wer grosse Expertise auf einem Gebiet oder erfolgreiche Firmengründungen vorzuweisen hat, kann sich Brüche mit der Konvention leisten. Dann wird das, was bei andern unbeholfen oder peinlich wirken würde, als selbstbewusste Geste der Unabhängigkeit akzeptiert. Wenn z.B. Steve Jobs sich mit Jeans und Rollkragenpullover ostentativ über die Kleidunggebote der Businesswelt hinweggesetzt hat, wurde das gar als ein Zeichen der Kompetenz gedeutet.

Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

In Jeans in die Oper?

Auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen – Kleider sind ein Mittel der Kommunikation. „Durch ein angemessenes Äusseres zeigt man, dass man den Anlass und das Gegenüber respektiert, noch bevor das erste Wort gesprochen wurde. Es demonstriert den Willen und die Fähigkeit, sich in eine Gesellschaft einzugliedern“ behauptet die bekannte Imageberaterin, Elisabeth Motsch. Ihrer Ansicht nach trägt die zum Anlass passende Kleidung jenseits jeglicher verbalen Kommunikation dazu bei, eine gemeinsame Ebene mit dem Gegenüber zu schaffen. Hier gilt es, die Verbundenheit mit den anderen an die erste Stelle zu setzen und dafür die eigene momentane Befindlichkeit, z.B. die mangelnde Vorliebe für formelle Kleidung, zu überwinden. Es sei ein verhältnismässig kleiner Aufwand, der eine Übereinkunft und ein gutes Miteinander ermöglicht.
Daher schien es mir sinnvoll, in den sozialen Institutionen, in denen ich als Praktikantin tätig war, Respekt auch mittels gepflegter Erscheinung auszudrücken. Doch schon die Kombination von schwarzen Jeans und gebügeltem weissem Hemd veranlasste meinen Kollegen zur Frage, ob ich am Abend in Ausgang oder gar ins Opernhaus gehen wolle. Für mich aber käme dort ein solch bescheidenes Outfit einer Respektlosigkeit gegenüber den Künstlerinnen gleich. Im Abendkleid allerdings komme ich mir nun zunehmend deplatziert vor. Es hat sich, wie mein Kollege behauptete und ich selbst beobachte, mehr und mehr eingebürgert, in der Oper in Alltagskleidung zu erscheinen. Der gesellschaftliche Konsens betreffend Eleganz ist in der Schweiz offensichtlich am Erodieren.

Dass in der Schweiz die Kleidung so wenig geschätzt wird, erstaunt angesichts längst bekannter Erkenntnisse aus der Verhaltens- und Kognitionsforschung. Zahlreiche Experimente haben gezeigt, dass Kleider mit Status assoziiert sind, und deshalb die Kompetenz, Glaubwürdigkeit und selbst die Zuverlässigkeit der Menschen, die gut gekleidet sind, höher eingeschätzt werden. Auch die meisten der Menschen, die es abstreiten, dass äussere Attraktivität ihr Urteil beeinflusse, offenbaren in experimentellen Situationen, wie sehr sie das Aussehen anderer mit entsprechenden Charaktereigenschaften verbinden. „Kleide dich nicht für den Job, den du hast, sondern für den, den du haben willst“, empfiehlt daher Verhandlungsexperte Jack Nasher in seinem Bestseller „Überzeugt“. Ist das Zielstatus jedoch noch in weiter Ferne, muss man Fingerspitzengefühl haben – denn ein zu eifriges Nachahmen des Kleidungstils der in Rang höherstehenden könnte auch als Anmassung aufgefasst werden.

Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess
Taillenkorsett Kurs
Taillenkorsett von Beata Sievi Corset Artist, kreativer Prozess

Korsett Anfertigung Kurse Beata Sievi

Casual oder opulent? Auf der Suche nach neuen Wegen in der Gestaltung

Inspiriert durch den Artikel über Andile Buka und das Ideal der sparsamen Eleganz – das zu meinem Praktikantenstatus und -Budget bestens passte – liess ich mich im April auf ein neues kreatives Projekt ein. Mein Vorsatz war es, mit ausschliesslich bei mir schon vorhandenem Material zu arbeiten. Ich wollte ein alltägliches Accessoire anfertigen, einen Taillengurt aus Stoffresten, der ungezwungen und casual elegant wirkt. In der Form gerade, im Esprit Patchwork. Bereits bei der Stoffauswahl merkte ich, wie mich die alte Gewohnheit zu den edlen Goldtönen von Satin und Stickereien hinzog. Meine Liebe zu Opulenz führte weiter dazu, dass ich die Stoffreste zusätzlich mit einem Goldfaden bestickte und mehrmals auswechselte, bis ich mit der harmonischen Kombination der Stoffmuster ästhetisch zufrieden war. Zum Schluss verwarf ich die Idee eines geraden Gürtels zu Gunsten ausgeprägter Taillenbetonung. Entstanden ist ein Taillenkorsett, das klassischen Eleganz verpflichtet ist, wie ich sie schon immer liebte und die mir das Gefühl der Unbesiegbarkeit verleiht. Allerdings eignet es sich tatsächlich viel eher für einen Opernbesuch als für meinen Arbeitsalltag. Summa summarum – der angestrebte coole Casual-Look ist mir nicht gelungen.

Korsett Winterthur
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller
Beata Sievi Corset Artist, Winterthur, Mai 2020, Bild: Joachim Keller

Upcycling Design

So entschloss ich mich, weitere Inspirationen bei jungen Modedesignern zu suchen. Im Rahmen des Fashion Revolution Weeks Zurich, der dieses Jahr nur in Online-Form stattfinden konnte, stiess ich auf ein Angebot von Rafael Kuoto, einem jungen Schweizer Designer afrikanischer Herkunft, der auf Upcycling Design spezialisiert ist. Der sympathische Designer, der seine Kollektionen ausschliesslich aus gebrauchten Kleidern herstellt, bot ein Online-Seminar mit dem Titel „Pimp-up your wardorobe“ an, und ich liess mich von ihm in die Prinzipien und Techniken der Arbeit mit gebrauchten Kleidern und Materialien einweihen.
So entstand ein schwarzes Hemd mit Doppelkragen und blumigen Einsätzen im Stil von Elvis Presley. Mein erstes Outfit, das seinen Chick nicht den teuren Materialien, sondern ausschliesslich meiner Fantasie und der sorgfältigen Arbeit verdankt, und ganz der Philosophie des thrifting gerecht wird: Es kombiniert ein bereits zum Ausrangieren bestimmtes Hemd mit einem blumigen Stoff aus der Restekiste.

Begeistert von den neuen Möglichkeiten buchte ich einen Monat später zum zweiten Mal einen online Upcycling Workshop bei Rafael. Diesmal nahm mir vor, an einem neuen – lässigen – Korsettdesign zu arbeiten. Um mit meinen edlen ästhetischen Gewohnheiten zu brechen, die mich beim kreativen Prozess, insbesondere bei Korsetts, zu Opulenz verleiten, wählte ich, Rafaels Rat folgend, den gebrauchten Denim. Dieser Stoff hat – wie der junge Designer es formulierte – im Gegensatz zum Satin, mit dem ich normalerweise arbeite, «einen demokratischen Charakter». Als Stütze für die Konstruktion diente mir ein Probemodel des Rokokokorsetts, das ich 2011 für eins meiner Models fertigte.

Arbeit an einem Upcycling Korsett während des Workshops
Arbeit an einem Upcycling Korsett während des Workshops mit Rafael Kuoto
Korsett vorbereitung Beata Sievi
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus genrauchten Jeans – Vorbereitung
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus Jeans

Beata Sievi Upcycling Project

Zwischen dem ersten und zweiten Samstag, an dem das Seminar stattfand, hatte ich genügend Zeit, um alte Jeanshosen aufzutrennen, die Stoffstreifen zu schneiden und auszufransen und die viktorianischen Spitzen aus meiner Sammlung passend zu färben. Schnell merkte ich, dass die Streifen im queren Fadenlauf wesentlich sinnlicher und wertvoller wirken, es aber viel mehr Zeit als beim Längsschnitt bedarf, sie vorzubereiten. Mein Sinn für opulente Dekorationen blühte doch wieder auf, wenn auch auf neue Art.

Jeans Upcycling Beata Sievi
Beata Sievi Corset Artist – Korsett aus gebrauchten Jeans – Vorbereitung

Jeans Upcycling Beata Sievi Corset Artist

Rafael war verblüfft und erfreute sich an meiner Schaffenskraft, und gab mir zusätzliche Hinweise, wie ich noch konsequenter mit meinen gestalterischen Gewohnheiten brechen könnte – zum Beispiel durch Verzicht auf die Symmetrie im Farbverlauf. Diese Idee überzeugte mich nicht auf Anhieb, doch ich nahm es mir vor, sie zumindest auszuprobieren. Symmetrisch oder nicht, das Korsett sieht bereits in Anfangsstadium auf keinen Fall nach einem Casual Look aus. Auch dieses Werk ist opulent und wird vermutlich mehr als ein Kunstobjekt als ein Kleidungsstück betrachtet werden können. Was notabene für Upcycling ein möglicher Weg ist. Wie ich in der Zwischenzeit herausfand, gibt es im Bereich der Upcycling Art ausserordentlich opulente, höchst ästhetische textile Kunstwerke und Rauminstallationen. Befreit von dem Zwang, das Korsett als ein tragbares Kleidungstück zu betrachten, werde ich vielleicht doch noch ganz neue Dimension der gestalterischen Opulenz entdecken?

Jeans Korsett Beata Sievi Entwurf
Korsett aus gebrauchtem Denim – Entwurf, Beata Sievi Corset Artist

Und für den Alltag bleibt mir immerhin das Elvis-Presley – Hemd. Nicht so innovativ wie die Kleider von Andile Buka und von Rafael Kuoto, aber sowohl als Outfit als auch als Projekt im kreativen Atelier, wo ich nächstens eine Stelle als Fachmitarbeiterin antrete, bestens geeignet. Vielleicht ermögliche ich jungen Menschen dort, dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit auch zu entdecken, das aus dem kreativen Schaffen und aus dem Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit entsteht?

Beata Sievi Portrait
Beata Sievi, Winterthur Mai 2020, Bild: Joachim Keller

Danksagung

Ich bedanke mich beim Fotografen Joachim Keller für die, in jeder Hinsicht, angenehme und inspirierende Fotosession : http://www.joachimkeller.com.

Mein grosser Dank geht auch an Marianne Ulmi vom Kopfwerken Ag für das einfühlsame und geduldige Lektorat.

Frau im Korsett – von Schönheit und Sexappeal im Wandel der Zeit

Essay zur Korsett-Ausstellung in Basel, Beata Sievi 2019

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«Frau im Korsett täuscht uns einen perfekten Körper vor“, stellte der Modekritiker Eugene Chapus 1862 fest und fügte hinzu: „Diese Frau ist eine Lüge, doch ziehen wir offenbar die Lüge der Wirklichkeit vor». Frauen ihrerseits waren sich der Wirkung der Halbwahrheit bewusst und brachten seit Ende des 17 Jh. ihre Reize mit mehr oder weniger steifem Mieder konsequent zur Geltung. War diese Praxis ein Tribut an den männlichen Geschmack und somit Unterwerfung oder entsprang sie dem eigenen Bedürfnis nach Selbstinszenierung? Was bedeutete es für Frauen überhaupt, ein Korsett zu tragen? Und was heisst es heute, Korsett-Anfertigung als Beruf zu wählen? Habe ich in meiner 20-jährigen Arbeit als Corsetiére der Selbstermächtigung der Frauen oder eher dem Patriarchat gedient?

Mein erstes Korsett war durch eine romantische Liebe inspiriert. Als beginnende Korsettdesignerin befand ich mich 2001 in einem außerordentlich intensiven Briefaustausch mit einem französischen Intellektuellen, der nicht weniger als ich von Korsetts fasziniert war. Unsere Korrespondenz, die mir verdeutlichte, dass das Korsett eine ideale Projektionsfläche für vielfältige geheime Wünsche sein kann, befruchtete meinen eigenen Wunsch, ein solches Kleidungsstück auch für mich selbst anzufertigen. Das Projekt war stark mit der Sehnsucht nach Anerkennung verbunden. Der Mann behauptete nämlich mehr über Korsetts als Objekt zu wissen, als ich je einmal im Stande sein würde und löste damit mein künstlerisches Aufbegehren aus. Ich bedruckte den Stoff für meine Kreation mit den Gedichten von Apollinaire und dessen Briefe an seine Geliebte Lou, um meinen Korrespondenten von meinem handwerklichen Können und von meiner Zuneigung zu überzeugen. Das Korsett „Lou“, in welches ich 50 Stunden Arbeit investierte, das äusserst originell und kunstvoll gestaltet war, jedoch nicht sehr eng wirkte, beeindruckte jedoch mehr meine Kundinnen als den Adressaten. So eröffnete sich mir eine neue kreative Epoche, die jenseits dieser Liebe fruchtbar war.

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Korsett – ein Folterinstrument?

Das «Korsett als Folterinstrument» ist für mich, im Gegensatz zur populären Auffassung, ein Mythos. Mit meinen Wurzeln in der polnischen Kultur, welche die Geschlechtsunterschiede im sozialen Verhalten stark betont, war ich schon früh für die weibliche Schönheit sensibilisiert. Eine bewusste Gestaltung des eigenen Äusseren, insbesondere der eigenen Kleidung, war für mich immer ein kreativer Akt, der auf das innere Wohlbefinden und auf das Selbstwertgefühl einen grossen Einfluss hatte. Die Kleider, die ich mochte, mussten nicht den Anspruch auf Tragkomfort, sondern den auf Eleganz zu erfüllen. Als ich mit den Studien der Korsettgeschichte begann, überzeugten mich daher die Ausführungen der Modehistorikerin Valerie Steele, dass das Tragen des Korsetts immer ein von Frauen bewusst eingesetztes Mittel der Inszenierung ihrer Schönheit war. In ihrem Buch «Womens fashion and eroticism» vertritt sie die Ansicht, dass ein Mieder immer ein selbstgewähltes Spiel mit den erotischen Reizen des Körpers ermöglichte, und die Trägerin dabei unzugänglich und geschützt blieb. Dies habe den allfälligen Mangel an Tragekomfort bei Weitem ausgeglichen:
«Die Mode war zuweilen unbequem oder unpassend, aber sie hat von möglichen Defiziten der Natur abgelenkt, während sie auf attraktive Merkmale aufmerksam machte und die Trägerin idealerweise hübsch und charmant aussehen und fühlen liess» – meint die Autorin. Das impliziert aber keinesfalls, dass Frauen ein modisches Accessoire wie Korsett mögen, weil es schmerzhaft ist. Der menschliche Geist kann sich offensichtlich auch an dem erfreuen, was für den Körper Schmerz oder zumindest eine Unannehmlichkeit bedeutet.

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Mode als Inszenierung des idealen Ichs

Die Funktion der Mode liegt nach Valerie Steele grundsätzlich darin, einem Menschen das Inszenieren eines idealen Selbsts zu ermöglichen. Das Korsett eignet sich hier perfekt, da es durch die modellierende Funktion dem Körper eine ideale Form verleiht. Ob der Taillenumfang dabei nur minimal oder drastisch reduziert wird, kann individuellem Empfinden angepasst werden. Mehr als alle anderen Kleider ist das Korsett dazu prädestiniert, Ausdruck einer Vision unseres physischen Selbst und unseres Selbstbewusstseins zu sein. Innerhalb der vorherrschenden Modetrends und ihrer materiellen Möglichkeiten haben Frauen daher immer die Kleider gewählt, die ihnen ein besseres Image ermöglichten. «Unsere modische Erscheinung ist eine Form der Selbstpräsentation, ein Kompromiss zwischen dem, was wir sind, und dem was wir sein möchten, zwischen dem privaten Selbst und dem Selbst für die anderen» – stellt Valerie Steele fest – «Mode ist immer ein Widerspruch zu Natürlichkeit, weil sie dem Menschen hilft nicht das reale, sondern das ideale Bild von sich selbst zu kreieren.»

Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, das Korsett als Vehikel des «idealen Selbst» einzusetzen, resultierte in meinem Fall in der neuen Kreation «Contessa rouge». Nicht nur war dieses Korsett in der Taille deutlich enger als alle vorherigen Modelle, sondern es verfügte auch über einen elaboriertes balconett, um den Brüsten eine vollendete Form zu geben. 40 Bänder mussten zwischen zwei Stoffschichten eingezogen werden, um einen sanften und doch sicheren Hebe-Effekt zu erreichen. Den hochwertigen Stoff sandte mir der französische Verehrer, mit dem ich inzwischen 300 Briefe ausgetauscht hatte, als Inspiration zu. Er hatte ihn an der Rue Montmartre in Paris eingekauft, bei einem Stoffhändler, der auch die Haute Couture Häuser belieferte. Füllig und edel schimmernd trug der rote Satin Duchesse aus reiner Seide einen Hauch der grossen Welt in mein Atelier in der Altstadt von Winterthur und täuschte mir und meinen Kundinnen Zugang zur weltlichen Opulenz vor.

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Korsett, Krinoline und weibliche Macht

Die Opulenz faszinierte mich fortan, insbesondere die des Barocks und des Rokokos. Immer wieder stellte ich mir die Frage, warum es stets neue Moden, neue Looks gab, die alle samt durch neue Formen des Korsetts ermöglicht wurden. Valerie Steeles antwortet und bringt es auf den Punkt: « Das Bedürfnis nach Neuem ist konstant und wird immer durch, egal wie geartete Kontraste, befriedigt, es geht um die immerwährende Erneuerung der erotischen Neugierde.» Meine künstlerische Neugierde veranlasste mich, detaillierte Recherchen über die wichtigsten historischen Korsettformen anzustellen, und mit den Jahren führte mein Ehrgeiz so weit, dass ich sie alle nachahmen konnte.
Das aufwendigste Projekt in diesem Zusammenhang war die Kreation «Madame Du Barry», die der Maitresse des Ludwig XV gewidmet war. Über 200 Stunden Arbeit erforderten das Korsett und die dazugehörende Krinoline, ein wahrhafter Exzess, erst recht angesichts der Tatsache, dass es dafür keine Auftraggeberin gab. Zumindest wurde die Robe im Rahmen einer kleinen Inszenierung vorgeführt. «Paradies im Boudoir» war ein Kabinettstück mit fünf Models und mit Harfenklängen für eine Handvoll nobler Kundinnen und Kunden. Während der Aufführung fiel die unglaubliche Anmut der Frau auf, die das enge Korsett und die opulente Krinoline trug, in der für Rokoko typischen ovalen Form. Und wie sie ihren Begleiter, dem es an Schönheit auch nicht fehlte, in den Schatten stellte.

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Kritiker der Krinolinen-Mode betrachteten das Accessoire im 18 Jh. als verwerflich, weil durch den bis zu drei Meter breiten Pannier ein Mann gezwungen wurde, hinter der modisch angezogenen Frau zu gehen. Die männlichen Kommentatoren deuteten den imposanten Umfang der Stahlreifenkrinoline, die nach einem kurzen Rückzug in den Zeiten der Französischen Revolution ein grosses Revival im 19 Jh. feierte, als Sinnbild für Statusdenken und Machtwillen der Frauen. In den Augen dieser Kritiker schien sich das schwache Geschlecht mittels der raumgreifenden Mode bewusst eine bessere Stellung anzumassen und den im Vergleich unscheinbar wirkenden Mann wörtlich beiseite zu drängen.

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In einer berühmten Karikatur von Charles Verniers 1857 wird eine Dame in einer Ballkrinoline dargestellt, die so gross ist, dass sie das Passieren einer normalen Türöffnung unmöglich macht. Zwei mit Spitzhacken bewaffnete Diener müssen einen breiteren Durchgang zum Ballsaal in die Wand schlagen. Korsett und Krinoline, die modischen Accessoires, die ihren Ursprung in der männlichen Vorliebe für eine schlanken Taille und breite Hüften hatten, wandelten sich in eine Strategie, die wortlos darauf abzielte, die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern umzustürzen.

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Optimierte Nacktheit – Korsettphilosophie im Boudoir

Die modischen Interessen der Frauen und ihr Streben nach Schönheit wurden oft als Eitelkeit bezeichnet und moralisch getadelt. Im Victorianischen England erschienen mehrere kritische Schriften, die in der Gesundheit, dem offenen Blick und der distinguierten Bewegung die ausreichenden Kriterien der Attraktivität einer Frau sehen wollten. Es seien die Qualitäten des Charakters wie Höflichkeit, Bescheidenheit und Selbstrespekt, die dem Körper die Aura der Schönheit verliehen – behauptete ein anonymer Autor von „Artificial Woman-Making“ in 1869. Vielleicht versteckte sich hinter diesen Aussagen der meist männlichen Kritiker die Angst vor den verführerischen Reizen der modisch gekleideten Frauen, deren Sexualität als gefährlich galt? Ungeachtet dieser Kontroverse zwischen natürlicher und künstlicher Schönheit ist ab ca.1870 ein gesteigertes Interesse der Frauen an luxuriöser Lingerie zu beobachten. Die Wäsche-Korsetts dieser Zeit werden aus farbigem und gemustertem Seiden-Satin gefertigt, oft von Hand bestickt und mit einem passenden Petticoat ergänzt. Es ist offensichtlich, dass dabei der Moment des Ausziehens mitbedacht wurde.

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In meinem Atelier empfing ich zuweilen Frauen, die – wie ich in den Gesprächen erfuhr – in intimen Situationen raffinierte Unterwäsche der Nacktheit vorzogen. Meine Korsetts mit ihrem ungewöhnlichen Design assoziierten sie aber eher mit Prestige und Gala-Events als mit einer intimen Situation der Verführung. Bis mich eine neue Kundin ausdrücklich darum bat, ein Korsett für sie zu entwerfen, das leicht genug wäre, um im Schlafzimmer getragen zu werden. Ihre Vorliebe für Dessous teilte sie mit ihrem attraktiven, um mehrere Jahre jüngeren Liebhaber. Ihre Geschichte erinnerte mich an die neuste Forschung der amerikanischen Neurologin Martha Meana, die besagt, dass der Ausdruck der Begierde in den Augen eines Mannes für Frauen das stärkste Aphrodisiakum sei. Weshalb also nicht mit der Illusion eines perfekten Körpers spielen, um das Verlangen zu steigern? Ich bestellte für meine Kundin aus England einen feinen Stoff und vom renommierten St. Galler Fabrikanten Forster Rohner zauberhafte Guipuire-Spitze. Es entstand ein Korsett, das eine perfekte Synthese aus Romantik und Frivolität darstellte und auch weitere Kundinnen begeisterte. Hat nicht schon Helene Hessel 1920 behauptet, dass jede Frau mit Hilfe der geschickten Kleidung im Stande sei, der «natürlichen» Polygamie des Mannes entgegenzuwirken? Die Berichte meiner Kundin über ihre lustvollen Erfahrungen und vor allem ihre wiederkehrenden Aufträge hielt ich für den Beweis des Erfolgs dieser Strategie.

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Die Boudoir-Kollektion aus den Jahren 2014-2017 war mein Versuch, das Spiel des Verhüllens und Enthüllens in den Vordergrund zu stellen. Der Name der Kollektion «Boudoir» nimmt Bezug auf die Bezeichnung des intimen Raumes zwischen dem Schlafzimmer und Essraum, in welchem im 18 Jh. Damen der Aristokratie ihre Liebhaber zu Besuch empfingen. Die an meinen neuen Korsetts angebrachten Strapsen, Spitzen, Schnürungen und Bänder dienten dazu, der Trägerin zu helfen, aus einem Akt der Entkleidung eine wahre Inszenierung zu machen und waren darauf ausgerichtet, das Auge des Betrachters und vor allem seine Geduld aufs Äusserste zu reizen. In der Folge durfte ich einige Boudoir-Korsetts als Geschenk begeisterter Herren an ihre geliebten Damen anfertigen.

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Ein zeitgenössischer Philosoph bestärkte meine Auffassung der Erotik: „Das Erotische lebt nicht nur von einer Differenz zwischen den Geschlechtern, die angeblich längst hinfällig geworden ist, es lebt vor allem von einer Gestik des Entblössens, die wusste, dass das Wechselspiel von Enthüllen und Verhüllen nicht nur im faktischen Sinne das erotische Begehren strukturiert, sondern dem Eros auch seine philosophische Dignität gibt». Das schreibt Konrad Liessmann in seinem Essay «Eros, der listige Gott» und er fügt hinzu: «Eros ist in hohem Masse ein Spiel mit dem Verbergen und Entbergen von Wahrheiten, und die zufällig oder gezielt dem Blick preisgegebene Haut, die mehr ahnen als sehen liess, galt lange als das sinnfälligste Moment in der Dynamik erotischer Begegnungen..» Dies wollte ich auch für die heutige Zeit geltend machen. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, machte ich meinen Kundinnen deutlich, dass es sinnvoll sei, klar zu unterscheiden zwischen den Korsetts, die ihre Schönheit zur Geltung bringen und von solchen, die die erotische Attraktivität betonen – und die Letzteren nur im jeweils passenden, d.h. im privaten Kontext einzusetzen. Dort allerdings versprechen sich Frauen von ihren privaten Inszenierungen oft mehr, als diese tatsächlich erbringen, wie es sich auch später im Fall meiner Kundin herausstellte.

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Frau im Korsett: Schön oder sexy? Weibliche Attraktivität im Wandel der Zeit

Die Soziologin Eva Illouz macht in ihrem Buch «Warum Liebe weh tut» darauf aufmerksam, dass sich die heute so wichtige Sexyness deutlich vom Begriff der Schönheit unterscheidet. Bis ins 19. Jh. galten Frauen als attraktiv aufgrund der Schönheit, die nicht nur als eine körperliche, sondern zugleich eine geistige Eigenschaft verstanden wurde: «Die sexuelle Attraktivität als solche stellt ein neues Bewertungskriterium dar, das gleichermassen von der Schönheit wie vom moralischen Charakter abgelöst ist.» Sie ist darauf ausgerichtet, durch bewusst eingesetzte körperliche, sprachliche und kleidungsbezogenen Kodes direktes sexuelles Begehren auszulösen.
Auch Valerie Steele betont, dass Schönheit bis in die viktorianische Epoche immer auch als spirituelle, intellektuelle und ethische Exzellenz begriffen wurde und «perfekter Körper gleichzeitig noble Seele bedeutet». – Korsettmode hat zwar die erotische Attraktivität der Frauen erhöht, gleichzeitig war sie aber in den kulturellen Kontext eingebettet. So z.B. waren die exzentrischen und auffallenden Kleider den Maitressen und Kokotten vorbehalten, während es nur für die verheirateten Frauen als angemessen galt, wertvolle, aber elegante Kleider zu tragen, und von den jungen Frauen und Mädchen Bescheidenheit äusserer Erscheinung verlangt wurde. Das Korsett durfte das Dekolleté durchaus zur Geltung bringen, aber die erlaubte Tiefe wurde durch die Tageszeit, Art des gesellschaftlichen Anlasses und vor allem durch die Vertrautheit der sozialen Umgebung bestimmt. Das Korsett und die gesamte damit verbundene Gestaltung des Auftritts symbolisierten somit vor allem den gesellschaftlichen Rang und das Prestige, weshalb die Frauen mit dem niedrigeren gesellschaftlichen Status gern die Moden der Aristokratie und der Bourgeoisie nachahmten.

So sehr das Korsett die erotischen Reize der Frau hervorzuheben vermochte, besass es gleichzeitig eine etwas entgegengesetzte Bedeutung – die aufrechte Körperhaltung, die es erforderte, und der Schutz, welchen es dem Körper bot, demonstrierten die moralische Haltung der Trägerin. Bis Ende des 19. Jh. galt es für Frauen aller Schichten als unsittsam, ohne Korsett in der Öffentlichkeit zu erscheinen – «lockeres Korsett- lockere Sitten» – lautete eine in England des 19. Jh. geläufige Redewendung.
All das unterscheidet sich sehr von der expliziter Reduktion des weiblichen Körpers auf die optischen Reize und seine Funktion als Genussobjekt, wie wir es seit der Gründung des Magazin Plyboy 1953 erleben.

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Orgasm me first – Korsett in Zeiten der Me Too Bewegung

Ich traf meine Kundin, die so viel in ihre Verführung investiert hatte alleine in meiner Salon-Veranstaltung wieder, die der weiblichen Lust und der erotischen Selbstbestimmung gewidmet war. Ihr Freund hatte sie verlassen, nachdem sie etwas konsequenter auf dem eigenen sinnlichen Vergnügen beharrt hatte. Sie fragte mich, ob ich ihre Korsetts für Ausstellungszwecke verwenden möge, weil sie sich nicht mehr an ihre Leidenschaft erinnern will. Die Geschichte entfachte eine angeregte Salon-Diskussion und es stellte sich heraus, dass sich einige Frauen heute als Verliererinnen der sexuellen Revolution sehen, weil sie in der freien Sexualität nicht nur dazu gezwungen werden auf Liebe und Wertschätzung, sondern oft sogar auf die sexuelle Befriedigung zu verzichten. Auch die Umfragen von Psychologinnen und Sexologinnen belegen, dass insbesondere junge Frauen im intimen Setting mit einem egoistischen Verhalten der Männer konfrontiert sind, und den männlichen Dominanzstrategien oft nicht entgegenzuwirken vermögen. Die Kultur der Moderne, welche die sexuelle Freiheit der Frauen als Zeichen ihrer Macht stilisiert, ermächtigt sie offensichtlich noch weniger dazu, für ihr eigenes sinnliches Vergnügen einzustehen, als es in Zeiten meiner Jugend üblich war.
Da ich nicht nur Korsettdesignerin, sondern auch Psychologin bin, und den Wunsch verspüre, Frauen zu ermutigen, nicht nur an die Verführungskunst zu denken, sondern auch für ihre sinnlichen Bedürfnisse einzustehen, habe ich anschliessend ein Korsett mit der Aufschrift «#Orgasm me first» kreiert. Es wurde ganz schlicht. Ich liess die auffordernde Aussage in Schwarz auf einem weissen Leinenstoff aufdrucken. Die junge Frau in der Druckerei, die meinen Auftrag entgegennahm, liess sich in kein Gespräch über die Aussage der Kreation verwickeln und erledigte ihren Auftrag mit einer unerschütterlichen sachlichen Neutralität. Als meine Arbeit an diesem Korsett beendet war, wurde mir bewusst, dass dies vorerst meine letzte Kreation war.

Ob eine Frau, die ein Korsett trägt, heute noch als Subjekt oder lediglich als Lustobjekt betrachtet und erlebt wird, hängt offensichtlich vom Potential des Betrachters ab. In Zeiten der Sexualisierung und Vermarktung des weiblichen Körpers liegt die Gefahr nahe, dass die Frau auch im Korsett lediglich auf die primären Reize reduziert wird. Mir wäre es lieber, wenn ein Korsett erneut als Ausdruck von Schönheit und innerer Stärke fungierte, und vorerst Distanz signalisiert. Wenn die Diagnose von Eva Illouz über das Vorherrschen des hedonistischen Kalküls und die zunehmende Unfähigkeit, tiefe, verlässliche Bindungen einzugehen, stimmt, dann gilt es, den Einsatz der Verführungskräfte gut abzuwägen, auch wenn diese überall im Namen der Befreiung eingefordert werden. Vielleicht kann sich die Frau von heute zum Subjekt ihrer sinnlichen Inszenierung machen, indem sie den begehrenden männlichen Blick, der ihr begegnet, zu lenken beginnt? Möglicherweise dürfte sie ihn überhaupt erst dann erwidern, wenn er nicht nur Begehren, sondern Liebe – und am besten jenseits des Boudoirs – zum Ausdruck bringt.


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Literatur:

Valerie Steele: Fashion and Eriticism , Oxford University Press 1985
Valerie Steele: The Corset, Yale University Press 2001
Ridikül. Mode in der Karikatur, Du Mont 2003
Eva Illouz: Warum Liebe weh tut: Surhkamp 2016
Sandra Konrad: Das beherrschte Geschlecht, Piper 2017
Konrad Liesmann: Der Listige Gott, Zsolnay 2002


Danksagung:

Mein Dank geht an alle Freunde, die mir beim redigieren des Textes behilflich waren,  insbesondere an meine Schreibmentorin Marianne Ulmi.
Ich bin allen Fotografen dankbar, die meine Arbeit dokumentiert haben. Besonders dankbar bin ich Ewald Vorberg, der über mehrere Jahre hinweg mit viel Geduld an der Umsetzung meiner Vision der Sinnlichkeit, die der Subjektivität der Frau von heute gerecht wird,  beteiligt war.


Ausstellung:

Eine grosse Retrospektive meines Schaffens wird im Rahmen einer Ausstellung „Korsetts – edel und bunt geschnürt“, die auch historische Korsetts zeigt, im Museum Spielzeug-Welten in Basel vom 15. April bis 9. Oktober 2019 zu sehen sein. Meine gesamte Kollektion von 45 hochwertigen, handgefertigten Korsetts, wird nach der Ausstellung zum Kauf angeboten oder aber kann für weitere Ausstellungszwecke gemietet werden. Angaben zur Ausstellung finden Sie in meinem Blogartikel und auf der Homepage des Museums.

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