Kategorie: Rokoko Soirée Vorbereitungen

Am 24.September werde ich eine Soiée veranstalten. gene informiere ich Sie in diesem Blogg über die aufwendigen und spannenden Vorbereitungen.

Edles Korsett von Beata Sievi Corset Artist in Masskonfektion

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Masskonfektion-Korsett von Beata Sievi Corset Artist

Dank kontinuierlicher Arbeit an der Korsett-Schnittechnik habe ich eine Möglichkeit immer grössere Anzahl der Korsett Standard-Modelle meinen Kundinnen zur Auswahl anzubieten. Neulich habe ich zu der bestehenden prêt-à-porter Linie „Gala“ die Linie „Boudoir“ hinzugefügt, die sich in der Form und in der Verarbeitung unterscheidet. Während ein Korsett für einen Ball elegant und bequem sein muss, gilt für den Boudoir Bereich, die weiblichen Reize ohne Zurückhaltung zu betonen. Die Standard-Modelle der beiden Linien können bei mir während eines vereinbarten rendez-vous anprobiert werden. Als Fachfrau helfe ich meinen Kundinnen die Form und den Trag-Komfort sorgfältig gegeneinander abzuwägen und helfe bei den Fragen des Stills.  Anschliessend kann die Kundin den Stoff und die Spitze aus meiner Kollektion wählen und das Korsett wird für sie angefertigt.

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Anprobe bei Beata Sievi Corset Artist in Winterthur

Damit das Modell optimal angepasst ist und die Details dem individuellen Geschmack  entsprechen, wird in der Regel eine Anprobe durchgeführt, an der die Korrekturen der Länge und des Umfangs (nicht jedoch der Form und Linienführung) vorgenommen werden können. Es ist auch möglich zusätzliche Dekorationen zu wählen. Das Korsett kann auf Wunsch nach Hause gesendet werden.

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Wertvolle englische Korsettstoffe bei Beata Sievi Corset Artist
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St.Gallerspitze in neuen Herbs- und Winterfarben bei Beata Sievi

Mit Masskonfektion von Beata Sievi Corset Artist haben Sie die Sicherheit, höchste Qualität gepaart mit Individualität zu erhalten.

Hier Ihre Vorteile auf einen Blick:

Optimale Passform: das Ergebnis des unvergleichlichen Savoir–faire von Beata Sievi – das die modernen Techniken mit der Geschichte der Korsetterie verbindet.

Individualisiertes Design: Sie selbst bestimmen den Stoff und Details aus unserer Palette nach Ihren Vorstellungen.

Erstklassige Stoffauswahl: Sie wählen aus hochqualitativen traditionellen Korsettstoffen und Spitzenbordüren der renommierten Produzenten.

Messbarer Zeit- und Preisvorteil: Unsere Maßkonfektion kostet weniger als Feinmassanfertigung bietet dennoch hervorragende Qualität und Individualität. Da wir nur eine Anprobe durchführen, ist der Zeitaufwand geringer. Da wir Ihre Masse und die allfälligen Abweichungen zum Standardschnitt in unsere Kartei aufnehmen, können Sie später ein neues Korsett jederzeit bequem per Telefon oder Mail nachbestellen. Preise: 1400-1800 CHF

Aus Liebe zum Detail:

Wählen Sie  eine der folgenden beliebten Extras für Ihr neues Korsett:

  • Stickerei Motive von Hand aufgenäht
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Korsett-Anfertigung bei Beata Sievi Corset Artist
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Die schönsten Korsetts in der Schweiz –  bei Beata Sievi Corset Artist
  • Korsett Futter in der Kontrastfarbe
  • Zusatzschnur in anderer Farbe
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Boudoir Corsett angefertigt bei beata Sievi Corset Artist
  • Auswechselbarer Rückenschutz / Modestypanel in Kontrast-Farbe
  • Abnehmbare in Handarbeit mit Seide überzogene Strapsen
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Handgemachte Strumpfhalter zum Korsett

Terminvereinbarungen für Besprechungen von Anfertigungen im  Jahr 2016 nehme ich gerne unter atelier@entrenous.ch entgegen.

Im Spitzen-Korsett zum Winterball

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Daniela im Spitzen-Korsett von Beata Sievi, Bild: Daniel Gendre

Das schwarze Spitzenbustier aus exklusiver St.Galler-Spitze mit geometrischem Muster entstand zum ersten Mal im Jahr 2000. Die Kreation wurde inspiriert durch meine Begegnung mit Daniela und durch ihre sinnliche Schönheit. Sie wurde zu meinem ersten Model und ihr Schwarz-Weiss-Portrait von Daniel Gendre war über viele Jahre Ikone des Ateliers « entre nous ». Helene Hessel schrieb einst in ihrem Bericht aus Paris, dass die Wahl des Mannequins die Ambitionen des Modehauses erkennen lässt. „Monsieur Worth erklärte mir eines Tages seine besonderen Gesichtspunkte. Er legt den Hauptwert auf den Gang. Gleich danach auf die Feinheit der Gelenke und den reinen Teint der Haut. Dass sie gut gewachsen sein müssen versteht sich von selbst. Viel wichtiger aber als das hübsche Gesicht ist eine gewisse Unabhängigkeit der Bewegung“. Ich habe zudem auf eine gewisse Unabhängigkeit der Persönlichkeit geachtet und die Begegnungen mit meinen Models, waren für mich immer sehr inspirierend und beglückend.

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Model Antonietta im Spitzenkorsett von Beata Sievi

In den 15 Jahren meiner Tätigkeit durfte ich mehrere Spitzen-Bustiers anfertigen, aber es fehlte mir lange die Zeit um eines für mich herzustellen. 35-40 freie Stunden sind nicht schnell in einem Arbeitsalltag zu finden. Vor wenigen Tagen ging endlich mein grosser Wunsch in Erfüllung – ich durfte das von meiner treuen Angestellten, Sandra Manhardt, unter meiner Anleitung angefertigte Spitzenkorsett entgegennehmen.

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Beata Sievi Corset Artist im Korsett aus exclusiver St.Galler Spitze
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Beata Sievi Corset Artist in eigener Couture Creation anlässlich des Winterballs im Grandhotel Giessbach

Angesichts des grossen Aufwands an erforderlicher Handarbeit für die Verarbeitung der Spitzen und der zahlreichen Feinanpassungen, nehme ich nur noch selten Aufträge für Bustiers entgegen, dennoch ist eine Feinmassanfertigung immer noch möglich.

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Feinmassanfertigung von einem Spitzen-Korsett bei Beata Sievi Corset Artist in Winterthur

Im kommenden Jahr habe ich Kapazitäten für zwei Feinmass-Spitzenbustiers. Die Anfertigung muss mindestens 3 Monate im Voraus geplant werden und erstreckt sich über mindestens 2 Monate. Das Ausführen einer solchen Kreation bedeutet einen grossen Genuss  und will deshalb – genau so wie die Anfertigung – sorgfältig geplant werden. Ich selber habe das Spitzenkorsett anlässlich des Winterballs in Grandhotel Giessbach getragen. Die melancholische Winter-Atmosphäre des umgebenden Parks inspirierte die ersten, spontanen photographischen Aufnahmen.

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Beata Sievi Corset Artist in der Umgebung vom Grandhotel Giessbach

Zitat von Helene Hessel wurde entnommen aus dem Buch „Ich schreibe aus Paris. Über die Mode, das Leben und die Liebe“, 2014, Nimbus erhältlich bei Nimbus Verlag und im Buchhandel.

Bilder von Daniela: Daniel Gendre

Korsett und Leidenschaft

Hinter vielen Korsetts, die ich anfertigen darf, verbergen sich Sehnsüchte,  geheime Wünsche, Leidenschaften, manchmal sogar Dramen. In Begegnungen anlässlich der Anproben, wird mir das eine oder andere Geheimniss anvertraut, das ich in meine Arbeit einfliessen lasse. Nicht alle Geschichten sind glücklich, aber jede ist besonders, authentisch und die, welche sie mir erzählen, wollen sie auch angesichts des Schmerzes nicht missen… Ich hoffe stets, dass die Gefühle und das Begehren ihre Erfüllung finden…

Die vor einigen Wochen von mir aufgenommen Bilder und das geheimnisvolle Lächeln einer Frau im schwarzen Korsett lassen mich die Leidenschaftlichen Briefe von Anais Ninn und Henry Miller denken…

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Black Corset made to measure by Beata Sievi Corset Artist

„Du erregst in mir eine solche Mischung von Gefühlen. Ich weiss nicht, wie ich mich Dir nähern soll. Komm zu mir – komm näher und näher zu mir. Es wird schön sein, das verspreche ich Dir. Ich mag Deine Freimütigkeit so sehr – sie ist fast eine Art Bescheidenheit. Ich könnte sie nie missbrauchen.“ (Henry Miller an Anais Ninn)

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Exclusives Mass-Korsett aus schwarzem Satin, angefertigt von Beata Sievi Corset Atist

„Ich weiss nicht, was ich von Dir erwarte, aber es ist etwas in der Art eines Wunders. Ich werde alles von Dir verlangen – sogar das unmögliche, weil Du dazu ermutigst. Du bist wirklich stark. Ich mag sogar Deine Betrügerei, Deine Treulosigkeit. Sie erscheinen mir aristokratisch.“ (Henry Miller an Annais Ninn)

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Schwarzes Satin Korsett angefertigt von Beata Sievi

„Gestern sagtest Du, meine Gutmütigkeit habe Risse. Willst Du mir nicht verraten, was für welche es sind, damit ich sie vergrössern kann? In diesem Wissen liegt meine Rettung.“ (Anais Ninn an Henry Miller)

Anais Nin, Henry Miller, Briefe der Leidenschaft, Scherz Verlag, 1989

Spring must-have – „Daisy“- ein Spitzen-Bustier von „entre nous“

Spitzenbustier von "entre nous" prêt-à-porter", Bild: Nicolas Bazo, Make-up Beata Sievi, Haare: Franziska Schaufelberger
Spitzenbustier von „entre nous“ prêt-à-porter“, Bild: Nicolas Bazo, Make-up Beata Sievi, Haare: Franziska Schaufelberger
Kostbare St.Galler Spitze in vielen farben und designs erhältlich.
Kostbare St.Galler Spitze in vielen farben und designs erhältlich.

Spitzenbustiers von „entre nous“ sind sehr beliebt im Frühling und Sommer – romantisch und körperbetont zugleich, aus feinen, kostbaren St.Gallen-Spitzen angefertigt, verleihen Sie jeder Frau eine Aura der sinnlichen Verführung. Im Atelier „entre nous“ können Sie Ihr Traum-Bustier nach Mass bestellen und dabei unter 10 verschiedenen Spitzendesigns in 80 verschiedenen Farben wählen. Oder möchten Sie genau dieses wunderbare Lila-Bustier aus einer unserer früheren Kollektionen sofort besitzen?

Hier unser Frühlingsangebot:

Spitzenbustier „Daisy“ Grösse 36/38 Cup 70/75 C/D  – Preis: CHF 890.

Sie können das Bustier in unserem Show-Room anprobieren.
Senden Sie uns einen Terminvorschlag für Ihren Besuch an: atelier@entrenous.ch

Spitzenbustier von "entre nous" prêt-à-porter", Bild: Nicolas Bazo, Make-up Beata Sievi, Haare: Franziska Schaufelberger
Spitzenbustier von „entre nous“ prêt-à-porter“, Bild: Nicolas Bazo, Make-up Beata Sievi, Haare: Franziska Schaufelberger
Die Spitze "Daisy" ist auch in gelber zu haben - wir haben noch 4m davon, was genau für ein einziges Spitzenkorsett dieser Art genügen wird. Preis für massanfertigung auf Anfrage.
Die Spitze „Daisy“ ist auch in gelber Farbe zu haben – wir haben noch 4m davon am Lager, was genau für ein einziges Spitzenkorsett dieser Art genügen würde. Preis für Massanfertigung: auf Anfrage.

Herzlichen Dank an den Fotografen Nicolas Bazo und die Coiffeuse Franziska Schaufelberger von Hairbox am Stauffacher für ihr Engagement, den „entre nous“ Frühlings-Look in Szene zu setzen!

„Zwischen Himmel und Erde – der Tango Sinnlich und erhaben“

ilder: Giorgio von Arb Model Cindy in der Kreation von Beata Sievi und Tangolehrer Silvio Grand, Bild: Giorgio von Arb

„Auf ein Pferd aus nobler Zucht gesetzt,
das um eine Haaresbreite den Sieg verfehlt.
Das scheint dir nun zu sagen:
Wer hoch spielt, der kann nur verlieren.
Auf ein Pferd hast du gesetzt,
wie auf jenes berauschende Weib,
das dir vergnügt die Liebe vortäuscht
und dein Herz zu einem Scheiterhaufen macht.“

So verewigte Carlos Gardels Stimme, im berühmten Tango „Por una cabeza“ die Verbindung zwischen Spiel, Liebe und der Wettleidenschaft im Pferderennsport: Das Schicksal des verratenen Liebhabers scheint dem Verlust auf der Rennstrecke verwandt. Der Glaube des Verliebten an die Beständigkeit der Liebe und das Vertrauen des Spielers in einen zukünftigen Sieg des gewählten Pferdes – verdanken sich beide der Kraft der Illusion. Auch der Tangotänzer ist dieser Welt des Hasardspiels ausgeliefert, stets auf der Suche nach dem magischen Augenblick der Einheit zweier Körper, vereint in der Musik. Wo tänzerisches Können und die Sehnsucht nach Nähe zum anderen Geschlecht aufeinander treffen ist der Himmel nahe. Die Umarmung eines erfahrenen Tangueros ist zugleich zärtlich und bestimmt, seine Figuren verwegen, aber so virtuos ausgeführt, dass der Genuss der Frau ihrem Widerstand zuvorkommt. Ihre Hingabe muss vorbehaltlos sein, die Verlorenheit im Augenblick wird in der Anmut ihrer Bewegung sichtbar. In den Boden zeichnen ihre Füsse die für den Mann bestimmten Liebkosungen ein. Wenn sie Glück haben, werden die beiden in den drei Minuten des Tangos ein Stück des verlorenen Paradieses erlangen – ein Augenblick so kurz, dass die Sehnsucht nie vollkommen gestillt werden kann.

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Vielfältig sind die musikalischen Strömungen, die zur Entstehung des Tango Argentino beigetragen haben. Die Elemente der kubanischen Habanera, der afrikanischen Danza und der Candombe mischten sich in den Vorstädten von Buenos Aires in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem ländlichen Stegreifgesang der Gauchos und führten zu Entstehung der Milonga – eines fröhlichen Vorläufers des Tangos. Die Paare tanzten dabei sanft aneinandergeschmiegt, der einfache Gehschritt und die leichten Drehungen gaben zur Annäherung willkommene Gelegenheit. “Auf französische Art“ wurde es genannt, weil man den Ursprung dieser sinnlichen Art des Tanzes in Paris vermutete.
Die musikalische Phantasie und Sehnsucht der italienischen und spanischen Immigranten verschafften dem neuen Tanz bald ein neues, immer komplexeres Repertoire. Der Tango, wie die neue Musik genannt wurde, unterstellte um 1900 seine rhythmische Struktur der wechselnden Dynamik einer Melodie, die die menschliche Not und Sehnsucht auszudrücken suchte. Indem die Melodie anstelle des Rhythmus bestimmend wurde, waren die Tänzer zu fortwährender Improvisation gezwungen:
„Es existierte keine Regelmässigkeit, und nichts liess sich vorhersagen, weil die nächste Figur, die nächste Schrittabfolge, das gesamte Stück erst im Moment seiner Ausführung erfunden wurde. Es war notwendig, eine Technik dafür zu entwickeln: das Paar musste sich vollständig umarmt bewegen, Gesicht an Gesicht, Seite an Seite. Der Mann gab die Richtung der Frauenschritte an und bestimmte sie sogar regelrecht mittels seiner rechten Hand, mit der er sie fest um die Taille fasste“. (Carlos Vega)

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Sinnlich und erhaben

Der Tango wurde zunächst in den sogenannten Academias getanzt, wie man die „öffentlichen Tanzsalons mit dem üblichen Anhängsel der Getränke“ nannte. Die angestellten Tänzerinnen trugen wadenlange Röcke über aufgeplusterten Unterröcken, die genügend Bewegungsfreiheit für die riskanten Figuren zuliessen. Wie es scheint, tanzte man nicht so sehr um zu verführen – viele der Frauen sollen ausgesprochen hässlich und sogar zerlumpt gewesen sein. Man erwartete von ihnen nur eins: perfekt und pausenlos zu tanzen. In der Stadt Rosario erfreuten sich bereits um 1870 die Tanznachmittage, genannt peringundin, grosser Popularität. Beim Eingang entrichtete der Tanzwillige einen Real für 6 Minuten Tanz. Wie es Horacio Salagan eindringlich schildert, konnte man sehen, wie einige der Mädchen in Schweiß gebadet waren, und wie nach denen, die besser als die anderen tanzten, die Galane ihre Arme schon ausstreckten, bevor die vorigen Tanzkumpane sie losgelassen hatten. Szenerien, die mit einem guten Tangoabend von heute vergleichbar sind! Weder die eleganten Kleider noch die schöne Figur zählen im Tango so sehr wie die Anmut der Bewegung.

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„Tanz der schlecht beleumdeten Häuser“

Der für die Entstehung und musikalische Entwicklung des Tangos bedeutendste Ort war das Bordell. Mit dem durch die Einwanderung verursachtem Männerüberschuss entwickelte sich die Prostitution im Buenos Aires der Jahrhundertwende zu einem blühenden Geschäftszweig. Die Bordelle waren vorwiegend in der orilla, dem Saum wildwuchernder Vororte, angesiedelt und, sie waren bemüht, nicht nur Frauen sondern auch gute Unterhaltung zu bieten. „Die freizügigen Nachtschwärmer von La Boca,“ so beschreibt Sebastian Talion das Leben in der Vorstadt, „verliessen die Bordelle nie, ohne zuvor einen kleinen Tango zu tanzen ( … ), Tangofiguren, Wollüstigkeiten, wildes Geschrei, Flaschen, tollpatschiges Befummeln, lauernde Messerschneider, Qualm. Wenn es keine Rauferei oder Verhaftung gab, spielten die Musikanten ohne Atempause bis zum Morgengrauen.“ Die Kapellen bestanden aus Duos oder Trios, die anfangs aus Flöte, Violine und Gitarre zusammengesetzt waren – tragbare Instrumente, die es den Musikern erlaubten, abwechselnd in dem einen oder anderen Bordell zu spielen, so dass sich die Kundschaft aufgrund des sich daraus ergebenden Repertoirewechsels nicht langweilen musste. Erst später kam das melancholische Bandoneon dazu.

In den Foyers der Bordelle, zur Überbrückung der langen Wartezeit, oder an Straßenecken, wo es ein Orchester zu hören gab, und sogar in den Academias übten Männer auch mit einander die Tangoschritte. Der Stolz, gut tanzen zu können, war charakteristisch für den orillero, den Mann der Vorstadt. Sich als unbegabter Tänzer zu erweisen dürfte für das männliche Prestige genauso nachteilig gewesen sein wie im Kampf mit dem Messer nichts ausrichten zu können. Gut zu tanzen erhöhte darüber hinaus die Chancen, die Auserwählte zu beeindrucken. Die Gepflogenheit, unter Männern den Tango einzuüben, hielt sich in Argentinien bis in die 60er Jahre.

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Wie es Horacio Salas betont, sollte man jedoch aus der Tatsache, dass der Tango im Bordell geboren wurde, nicht auf seinen Charakter schließen, da künstlerische Schöpfung beinahe ausschließlich ein antagonistischer Akt ist – ein Akt der Flucht oder der Rebellion. „Man erschafft sich, was man nicht hat, was in gewissem Sinne das Objekt unserer inneren Unruhe und unserer Hoffnung ist, was uns auf magische Weise erlaubt aus der harten alltäglichen Wirklichkeit zu entkommen. (…) Es war nicht die sexuelle Not die dem Mann in Buenos Aires Sorgen machte. Es war genau das Gegenteil. Die Sehnsucht nach Vereinigung und Liebe, die wehmütige Erinnerung an die Frau – nicht die Gegenwart eines Instrumentes seiner körperlichen Begierde.“ Davon erzählen die vielen Liedtexte der Tangos eindringlich.

Wie es scheint, ist nicht unbedingt die erotische Eroberung, sondern vielmehr das Gefühl der seelischen Einheit die Triebkraft vieler Tänzer. Der berühmte Tänzer der goldenen Ära Juan Carlos Copes spricht von einem Moment „wunderbarer Beklemmung“, der ihm während des Tanzes die Tränen in die Augen trieb. „Wenn mir die Frau mit ihren Bewegungen so gut antwortet, dass wir auf einer großen Tanzfläche, wie eine einzige Person waren, dann fühlte ich mich vollkommen durchdrungen von diesem Gefühl. Du trugst also diesen Tango in dir, diese Musik, von der du besessen warst. Es war wie eine Droge, denn ich fühlte mich in einer anderen Welt. Und in diesem Moment war es mir gleichgültig, ob das Mädchen an meiner Seite hübsch oder hässlich war, ob sie lahmte oder ob ihr ein Arm fehlte oder ein Auge. Mir war alles egal. Es war einfach etwas Erhabenes. Es war ein Ritus.“

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Cortés und Quebradas

Es brauchte einige Jahre, bis der Tango in weiteren Gesellschaftsschichten Verbreitung fand. Die Bordellmusik wurde zunächst in den angrenzenden Wohnquartieren nicht gern gehört, weil man sich dort von dem verrufenen Lebensstil so gut wie möglich abzugrenzen suchte. Auch die berüchtigten Cortes und Quebradas galten als zügellos – noch in den 30er Jahren berichtet Jorge Marques, wegen dieser Figuren mehrfach aus den Tanzsalons herausgeworfen worden zu sein. Heute erstaunt es, dass ein Corte – ein einfacher Schnitt in fliessender Gehschrittfolge – als gewagt galt. Doch brach er offensichtlich mit langen Traditionen und immer voraussehbaren Schrittfolgen. Das Wort Quebrada bedeutet „gebrochen“. In diesem Fall entsteht der „Bruch“ durch die Bewegung des Körpers – der Tänzer „bricht“ die aufgerichtete Position – und beugt sich tief über den Oberkörper der Tänzerin; gleichzeitig behalten beide Kontakt in der Taille, wobei die Frau einen Vorwärtsschritt auf die Mitte des Mannes , (d.h zwischen seine Beine) macht. Die Mädchen lehnten es anfänglich ab, vor den Augen ihrer Eltern auf diese Art zu tanzen. Aber nachdem man die sündhaften Figuren wegliess, wurde der Tango ein unverzichtbarer Begleiter der Sonntagstanznachmittage. In der Oberschicht wurde er hingegen weiterhin abgelehnt und galt als Ausdruck von Verkommenheit und Verarmung.

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Tango erobert Europa

1906 erreichte die argentinische Fregata Sarmiento den Hafen von Marseille, mit der hocheruptiven Ladung von 500 Partituren des populären Tangos La morocha. Erfolgreiche Aufführungen und Plattenaufnahmen hielten den Komponist Antonio Villoldo und seine Begleiter Alfredo Gobbi und Flora Rodriguez viel länger als vorgesehen in Frankreich fest. Tango wurde augenblicklich in die Repertoires von Cabarets wie Moulin Rouge und Folies Bergères aufgenommen – und die Gesellschaftselite verlangte den Tanz des Rio de la Plata zu erlernen. Anziehungspunkt war das sinnliche Zurschaustellen des eigenen Körpers in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht. Die Welle erreichte bald die anderen europäischen Metropolen. Auf dem Dach des grössten Londoner Kaufhauses Selfridges wurde 1913 der Ball des Jahrhunderts veranstaltet. In drei Ballsälen, dekoriert mit viertausend Lichtern, die an einen orientalischen Garten erinnerten, tanzten die Gäste in östlichen Kostümen den Tango bis in die Morgenstunden.

Im Europa des ersten Weltkriegs kehrten sich die Entstehungsumstände des Tango um: Nun gab es einen Frauenüberschuss. In Berlin erfreuten sich Witwenbälle grosser Beliebtheit. Hier durfte der Tango nicht fehlen, und so manche Herren standen gegen das nötige Kleingeld auch für andere Dienste zur Verfügung. Auch in Paris hatten bezahlte Tanzpartner, apaches oder gigolos genannt, Hochkonjunktur.

Der Tango revolutionierte nicht nur die Sitten, sondern auch die Mode. Jeanne Paquin entwarf hochgeschlitzte Tango-Abendkleider, die auf Designs durch Leon Bakst für Scheherazade beruhten. Der östliche Harem-Hosenrock von Paul Poiret wurde als Ideal für das Tango-Tanzen betrachtet. Turbane mit hochgestellten Federn, die selbst beim „Gesicht zu Gesicht“-Tanzen nicht störten, Tango Schmuck und ein elastischer Miedergürtel von Jeanne Paquin, genannt „Tango“, der beim Tanzen nicht nur die Figur sanft formen, sondern auch für eine „anmutige Haltung“ sorgen sollte, wurden zu unentbehrlichen Modeaccessoires. Die Farben des Tango waren orange-rot, gelb und grün, wie die Farben von Scheherazade. Ein starkes Makeup mit schwarzem Eyeliner, rotem Lippenstift und lange Zigarettenhalter vervollständigten den modischen Auftritt der neuen Epoche. Der Tango förderte das Bild einer sexuell aktiven und unberechenbaren Weiblichkeit – so dass sogar ein neu lancierter godemiché den Namen „Tango“ erhielt. Anders entlang der Rive gauche – in jenen Salons, wo nur Frauen verkehrten. Während des thé dansant wiesen sich Frauen untereinander in die Kunst des Führens und Folgens ein, und nicht selten erlaubte ihnen der Tango, ihr in seiner Unterdrücktheit nur drängender werdendes Verlangen auszuleben.

Nur die argentinische Botschaft in Paris empfand, entgegen der allgemeinen Begeisterung, das Interesse der städtischen Elite an dem, so der Konsul, „Tanz der schlecht beleumdeten Häuser und der Tavernen schlimmster Art“ als höchst peinlich. Man war bemüht, auf andere kulturelle Errungenschaften Argentiniens oder zumindest auf Argentiniens Vorreiterrolle im vornehmen Polosport hinzuweisen – jedoch ohne Erfolg. Bald wurde das Botschaftsgelände zu einem Treffpunkt der Tangobegeisterten. Da die Argentinier die Kultiviertheit der Franzosen seit jeher bewunderten, konnte nun das enfant terrible – der Tango – in etwas gezähmter Form in die Heimat reimportiert werden.

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In den Jahren 1935 bis 1955 erlebte der Tango in Buenos Aires sein Goldenes Zeitalter. Die grössten Tango-Orchester zählten bis zu 100 Musiker, man tanzte an den Nachmittagen und am Wochenende in Quartierclubs und in grossen exklusiven Salons. Die musikalische Qualität der Orchester von D`Arienzo, Carlos Di Sarli, Aníbal Troilo oder Osvaldo Pugliese stand auf sehr hohem Niveau. Die Werke dieser Komponisten und Ensembles bilden auch heute noch die Basis jeder Milonga und werden von den erfahrenen Tänzern mit Spannung erwartet.
Auch der Verhaltenscode der Milonga, insbesondere der „Cabeceo“ – das Auffordern durch Blick und Zunicken – haben sich überall, wo Tango getanzt wird, aus der goldenen Zeit erhalten. Das Bemessen der Länge des Blickes, der genau den treffen soll, mit dem man zu tanzen wünscht, ein leichtes Senken des Kinns, ein kaum wahrnehmbares Augenzwinkern des Mannes und das angedeutete Lächeln der Zustimmung einer Frau – wie ein unsichtbares Telegramm… Dann folgt der Gang zur Tanzfläche, um sich in der Umarmung zu treffen – ein raffiniertes Ritual, ein Hasardspiel, gewagte Balance aus Chancen und Risiken, das ist es, was die Tangueros in die Tanzsalons treibt.

Es ist fast nicht zu glauben, dass die Tangowelle Ende der 60er Jahre in neuen Musiformen „die es den Jungen, die nicht tanzen konntenn, einfacher machten“ ihr Ende nahm. Mit der dunklen Zeit der Militär Junta verlor der Tango dann auch seine staatliche Unterstützung. Erst in den 80er Jahren breitete sich von Paris, wo viele Tangomusiker u.a. Astor Piazolla, sich niederliessen und an der musikalischen Erneuerung des Genres arbeiteten, eine neue Tango Welle aus, die allmählich ganz Europa eroberte.

Heute tanzt man den Tango in Ballsälen, Salons, Klubs, Tanzschulen, stillgelegten Bahnhöfen, Güterschuppen. Die ganze Welt scheint der getanzten Umarmung verfallen zu sein. Man tanzt Tango de salón, Tango orillero, Tango phantasia und seit kurzem auch Tango nuevo. Mit verwegenen Figuren wie damals, als Tango noch ein Sittlichkeitsverbrechen war, auf der Bühne mit spektakulären Sprüngen und Akrobatik, aber auch ruhig und innig vollführen die Tänzer einen Spaziergang, bei dem die Eleganz des Mannes, und die Sinnlichkeit der Frau sichtbar werden.
Ungeachtet aller Stile bestehen im Kern – die Absicht des Mannes und die Hingabe der Frau. Führen bedeutet, die Intention der Bewegung und die Sicherheit zu vermitteln. Sich hingeben heisst, eine Haltung anzunehmen, die die Bereitschaft für Neues einschliesst – ohne Spekulation, ohne Angst – eine Bewegung vorauszuahnen und mit eigener Energie auszuführen. Auch wenn die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ihren Rollen offensichtlich sind, eine Trennlinie existiert nicht – beide setzten in den drei Minuten des Tangos alles ein, was sie haben um „in dem Tanze der Wehmut und des Verderbens den Glanz des Augenblickes“ miteinander zu teilen.

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Zur Autorin:

Als Modefachfrau mit psychologischem Hintergrund setzt sich Beata Sievi in ihrer künstlerischen Tätigkeit mit sinnlichen Kreationen und mit der Modegeschichte auseinander. Seit 14 Jahren führt sie in Winterthur das schweizweit einzige Massatelier für Korsetts und extravagante Abendmode. Beata Sievi tanzt seit mehreren Jahren Tango Argentino und assistiert ihrem Mann, Rolf Schneider, gelegentlich im Tanzunterricht. Im Tango sieht sie eine in die Kultur eingebettete zwischenmenschliche Begegnung, die körperliche und emotionelle Nähe ermöglicht. 

Credits: Photographie: Giorgio von Arb, Kostüme: Beata Sievi, Models: Cindy R. und Tangolehrer Silvio Grand, Hairstyling: Franziska Schaufelberger, Makeup: Kathrin Tollas, Schuhe; http://www.tangoschuhe.ch

Literatur:

Auf der Spur der Umarmung, Benzecry Saba Abrazos 2007
Asi bailaban el Tango, Gabriela Hanna, Metro Verlag Berlin 1933
Bazar der Umarmungen, Sonia Abadi, Abrazos 2010
Der Tango, Horacio Salas, Abrazos 2002
Tango, Diether Reichardt Suhrkamp, 1983
Tango hautnah Dr.Michael Dudley, Felicitas Hübner Verlag2006
Tango, una pasion ilustrada, Gustavo Varela 2010

Marie Antoinette – „Fashion-victim“ oder Vorbotin der neuen Modetrends ?

Die im 2006 im „Reunion des musees nationaux“ erschienene „Gazette des autours de Marie-Antoinette“ stellt eine äusserst wertvolle Quelle der Informationen über die Mode des Rokoko dar. Nicht nur können wir darin einen Nachdruck des Original-Katalogs der königlichen Roben mit den entsprechenden Stoffmustern aus dem Jahr 1782 finden, sondern auch zahlreiche Modezeichnungen und Entwürfe der Kleider. Die Essays reflektieren die neue Bedeutung des Luxus in der Zeit der Aufklärung und die dynamische Entwicklung der Mode zu Zeit der Marie-Antoinette. Die Autoren diskutieren kritisch die Berichte der Epoche, die die Königin als „Opfer der Mode“ stigmatisierten und erläutern ihre Rolle, als Vorläuferin der modernen Eleganz.

« Etre noble, s’est une obligation de paraître, c’est étre condamne, sous peine de déchéance, au luxe et à la depénse » (G.Duby)

Ariane James Sarazin, Régis Lapasin – „Gazette des autours de Marie-Antoinette »

Grande Robe à la Française 1783, Dessin de Leclerc, Galerie de modes françaises
Robe a l’anglaise avec corsage lié par des ganses de soie verte; Livre-journal de Madame Eloffe, marchande de modes, 1885
Stoffmuster für ein Kleid genannt „Levite“
La lévite – ein leichtes Kleid inspiriert durch ein Theaterkostüm aus dem Stück „D’Athalie“

„Paradies im Boudoir“ – Making of

Sinnliche Kreationen, erotische Texte, berauschende Musikklänge – Inhaberin des Ateliers  « entre nous », Corsetière Beata Sievi verführte am 24.September  Ihres Publikum in Benken in die galante Rokoko Zeit. Wir gewähren Ihnen ein Einblick in die Vorbereitungen  des wunderbaren Projektes!

Model Luzia, Frisur à la Madame Dubarry; Hairstyling: Angela Ineichen, Zürich
Melanie als Zofe, Hairstyling Angela Ineichen Zürich
Model Luzia in der Kreation von Beata Sievi
Jeanne-Marie, Kreation von Beata Sievi
Jean-Marie in der Kreation von Beata Sievi vor dem Gemeindehaus Benken

Jean-Marie und Patrick als Libertin, Vorbereitung einer Szene der Soirée
Beata Sievi gibt letzte Regieanweisungen
François Hill mit ihrer Magd, Vorbereitung einer Szene der Soirée
Rebekka Ott an der Harfe
Schlussszene der Soirée "Paradies in Boudoir" von Beata Sievi

Hören sie die Musik vom Praetorius – es spielen Rebekka Ott und Rico Zela_

Rokoko Kreationen von Beata Sievi – Kunstmuseum Winterthur

Morgen 24. September werden die Models von entre nous im Rahmen der Rokoko Soirée in „Paradies im Boudoir“ in den opulenten Kreationen von Beata Sievi die Bühne betreten. Stanislav Kutac hat die Kollektion zuvor im Kunstmuseum Winterthur fotografiert.

Bild: Stanislav Kutac
"Panier" als Unterbau der Robe à la Française, Kreation von Beata Sievi, Bild Stanislaw Kutac
„Panier“ als Unterbau der Robe à la Française, Kreation von Beata Sievi, Bild Stanislaw Kutac
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„Madame Dubarry“, Beata Sievi 2011, Reifrock. Bild: Sanislav Kutac
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Rokoko Kreation „Madame Dubarry“, Beata Sievi 2011, Bild: Stanislaw Kutac
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Rokoko Kreation „Madame Dubarry“, Beata Sievi 2011, Bild: Stanislaw Kutac
Rokoko Kreation "Madame Dubarry", Beata Sievi 2011, Bild: Stanislaw Kutac
Rokoko Kreation „Madame Dubarry“, Beata Sievi 2011, Bild: Stanislaw Kutac

 

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Kreation „Madamme Dubarry“ Beata Sievi 2011
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„Paradies im Boudoir“, Beata Sievi 2011, Bild: Stanislaw Kutac
Kreationen Liaisons Dangerouses und Madamme Du Barry by Stanislav Kutac 4 A3
Rococo Kreationen von Beata Sievi
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„Paradies im Boudoir“, Beata Sievi, 2011, Bild: Stanislav Kutac
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Kreation „Les liaisons dangereuses“, Beata Sievi, Model Anna Logue, Bild Stanislav Kutac 2011
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Anna in der Kreation von Beata Sievi Corset Artist, 2011. Bild: Stanislav Kutac
Kreation "Les liaisons dangereuses", Model Anna Logue, Bild Stanislav Kutac 2011
Kreation „Les liaisons dangereuses“, Model Anna Logue, Bild Stanislav Kutac 2011
Szene aus dem Kabinettstück "Paradies in Boudoir" von Beata Sievi, Bild: Stanislav Kutac
Szene aus dem Kabinettstück „Paradies in Boudoir“ von Beata Sievi, Bild: Stanislav Kutac

 

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Szene aus dem Kabinettstück „Paradies in Boudoir“ von Beata Sievi, Bild: Stanislav Kutac

Kreation „Madame Dubarry“ – Korsett und robe à la française

Die letzte Woche war sehr stark der Kreation „Madame Dubarry“  gewidmet –  der kreative Prozess durfte heute  in der zweiten Anprobe münden. Cindy hat zum ersten Mal das Kleid in ihrer ganzen Dimension, aus dem dunklen Taft angefertigt gesehen. Der Charme und Grazie meines neuen Mannequins begeisterten alle, die der Anprobe beiwohnen durften. Sie trägt die opulente robe à la Française  als ob sie am französischen Hof zu Zeiten des Rokokos geboren wurde!

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Kreation Jean-Marie, Entwurf und Realisation: Beata Sievi
Kreation für Marie Jeanne, Entwurf und Realisation: Beata Sievi

Nur dank der Hilfe meiner zwei Praktikantinnen, Simona Gini und Melanie Bearth konnte  eine so opulente Robe in nur zwei Wochen zur Anprobe vorbereitet werden. Die Fertigstellung bedarf es aber noch mehreren Stunden sorgfältiger Handarbeit.

Cindy Anprobe 13 Juli 2011

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Pannier

Dreieck und Rechteck: die Grundstruktur des höfischen Kleides spiegelt das Interesse der Aufklärung an geometrischen Grundformen. Das Mieder ist konisch geformt, während der Rock mit Hilfe vom Reifrock eine zunehmend rechteckige Form erhält. Diese Form der Jupe-Konstruktion hatte große Ähnlichkeit mit den damals auf Märkten verwendeten Hühnerkörben (d.h. kuppelförmigen Käfigen), daher der Name Panier (frz. „Korb“).

Entwurf einer Konstruktion des Panniers von hinten
Entwurf der Konstruktion eines Panniers von hinten


Entwürfe und Inspirationen für „Marie-Jeanne“

Da Jean-Marie in Frankreich lebt ist es naheliegend , dass ihr Kostüm von der höfischen Rokokomode inspieriert sein wird.

Maria-Louisa di Parma von Valasquez & Canaletto
Maria-Louisa di Parma von Valasquez & Canaletto

Hier das erste Entwurf, welcher auf die für das Rokoko typische Form des Korsetts und auf das „Pannier“ als Jupe Unterbau hinweist.

Entwurf für Cindy als Jean-Marie
Entwurf für Cindy als Marie Jeanne



Musik des Rokoko

In der Musik entspricht Rokoko zeitlich der Vorklassik und will sich durch den neuen galanten Stil anmutig-leicht vom „barocken Schwulst“ abheben – Musik die nicht durch Eindringlichkeit und Intensität packt, sondern auf vornehme Art unterhalten sollte. Zu den  Stilmerkmalen gehört statt dem polyphonen Geflecht selbständiger Stimmen die oben aufliegende Melodie als hauptsächliche Trägerin des Ausdrucks. Wie Johan Mathesson 1739 es formulierte: „nichts bereite dem Ohr mehr Vergnügen und bewege das Herz stärker als die blosse Melodie in ihrer edlen Klarheit, Einfalt und Deutlichkeit“. Trotz der relativen Einfachheit wird im Rokoko auch die psychologische Dimension der Musik erkannt  –  man betont die Abkehr von Affekten-Lehre und wendet sich zu der neuen „Empfindsamkeit“ zu.

Attributes of Music, Jean-Baptiste Simeon Chardin 1765
Attributen der Musik, Jean-Baptiste Simeon Chardin 1765

Haydn, String Quartet in F major, Op. 3, Nr.5 – Musik Beispiel zum anhören

String Quartet von Hydn gehört zu meinen Lieblingsstücken, aber aufgrund der Besetzung mit Streichinstrumenten können wir diesen nicht in unseren Programm aufnehmen.Dennoch stimmt es sehr gut auf das galante Thema ein.